Musizieren und musikalisches Gestalten in der Grundschule - Grundschüler im Geigenunterricht
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Vielfältiges Musizieren und musikalisches Gestalten in der Grundschule

Der Mangel an fachlich qualifiziertem Personal führt dazu, dass bis zu 80 % des Musik­unterrichtes an Grund­schulen fach­fremd oder gar nicht erteilt wird. Doch es ist möglich!

Auszüge aus dem umfangreichen Artikel: „Aufbauender Musikunterricht im Ganztag“:

Was ist aufbauender Musikunterricht?

Der aufbauende Musikunterricht ist ein didaktisches Konzept mit dem Ziel, die Musikpraxis mehr in den schulischen Musikunterricht einzubeziehen und diesen weiterzuentwickeln. Es werden drei Praxisfelder miteinander verknüpft:

  • Vielfältiges Musizieren und musikalisches Gestalten bilden den zentralen Teil des aufbauenden Mu-
    sikunterrichts. Das eigene und gemeinsame Musizieren wird vielfältig gefördert, beispielsweise durch gemeinsames Singen, Bewegungsspiele oder Bodypercussions. Auf diese Weise werden im aufbauen-
    den Musikunterricht musikalische Fähigkeiten kreativ erworben und angewendet.
  • Musikalische Fähigkeiten werden im aufbauenden Musikunterricht schrittweise und gezielt gefördert. Schülerinnen und Schüler sollen beispielsweise hinter jedem Rhythmus auch die Taktart erkennen kön-
    nen und ihr musikalisches Wissen praktisch anwenden, indem sie Musikinstrumente lernen.
  • Schülerinnen und Schüler werden dazu befähigt, Kultur(en) zu erschließen. Mithilfe des aufbauenden Musikunterrichts sollen die Kinder in der Lage sein, Musik aus verschiedenen Kulturkreisen der Welt zu erkennen.

Best Practice aus der Praxis

Die Grundschule Gau-Odernheim

An der Grund­schule Gau-Odernheim in Rheinland-Pfalz genießt das Fach Musik einen hohen Stellen­wert. Möglich macht dies eine enge Kooperation mit der örtlichen Kreis­musik­schule. Beide Einrichtungen haben gemeinsam das Konzept eines aufbauenden Musik­unter­richtes entwickelt, der sich konzeptionell an die Prinzipien des übrigen Unter­richts anlehnt und eng mit dem Schul­all­tag verzahnt ist.

Obligatorisch eine musikalische Grund­aus­bildung

Alle Kinder der ersten Klassen des Ganztagsbereiches erhalten obligatorisch eine musikalische Grund­aus­bildung mit dem Schwer­punkt Solmisation und Rhythmus­sprache durch ausgebildete Musik­pädagog­innen
und Musik­pädagogen der Kreis­musik­schule. Dabei lernen sie Ton­silben und Hand­zeichen kennen und spie-
len „lebendiges Klavier“. Auch Schüler und Schüler­innen mit Behinderungen wie Autismus oder Down-Syn-
drom nehmen mit Spaß daran teil und machen so auf diesem Weg ihre ersten musikalischen Erfahrungen.

Ab der zweiten Klasse können die Kinder in den „normalen“ Musik­unter­richt wechseln – meist fach­fremd er-
teilt –, oder den Unter­richt auf einem Streich­instrument wählen, wofür sich jeweils etwa die Hälfte entschei-
det. Die Schule verfügt mittler­weile über einen Pool v Geigen, Bratschen, Celli und Kontra­bässen in verschie-
denen Größen.

Erstklässler erhalten einmal in der Woche 50 Minuten Musik­unter­richt; die älteren Jahr­gänge mindestens zweimal

Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse erhalten einmal in der Woche 50 Minuten Musik­unter­richt;
die älteren Jahr­gänge mindestens zweimal. Der Unterricht gliedert sich in einen Großgruppenunterricht (Or-
chesterstunde), der in drei Niveaustufen unterteilt ist, sowie in einen Gruppen­unter­richt, d nach Geigen und Bratschen sowie Celli und Kontra­bässe getrennt statt­findet.

Jede Woche erhalten einzelne Schüler­innen und Schüler zusätzlich individuelle Übungs­stunden. Wer, das wechselt von Woche zu Woche. Auch die Anlässe unter­scheiden sich, Manche Schülerinnen und Schüler brauchen mehr Unter­stützung, weil sie mit ihrem Instrument alleine noch nicht zurecht­kommen, andere be-
nötigen aufgrund ihres Interesses und/oder einer Begabung zusätzlichen Input.

Ziele und Auswirkungen

In diesem Konzept erfahren Kinder Musik: Sie erlernen das „innere“ Hören durch Solmisation sowie Musik­theorie durch den systematischen Auf­bau des Umgangs mit Notationen. Außer­dem erwerben sie praktische Kompetenzen auf einem Streich­instrument. Ziel ist es, die Kinder für eine lebens­lange Beschäftigung mit ih-
rem Instrument zu motivieren und zu rüsten. Den ständigen Präsenz von Instrumenten­kästen im Schul­all­tag verdeutlicht den hohen Stellen­wert der Musik, der sich auch in den jährlichen Konzerten mit insgesamt bis zu 60 teilnehmenden Streicher­kindern zeigt.

Eine Geschichte aus der Praxis

Ein Junge, der als problematisch und aggressiv galt, wollte Kontrabass lernen. Seine Mutter war skeptisch,
ob er wohl ein Jahr durchhalten würde, ließ sich aber auf eine Probe­zeit ein. Sehr schnell erwies sich ihr Kind als ein fleißiger Musikschüler, der von Anfang an große Freude an seinem Instrument hatte. Nach einem Drei­viertel­jahr spielt er nun so gut, dass er beim nächsten Schul­konzert ein Solo über­nehmen darf. Diese positive Rück­meldung ist für den Schüler, der bislang vor allem negativ auf­gefallen war, eine ganz neue Erfahrung.

Quelle: Das Deutsche Schulportal
der Robert Bosch Stiftung ist die größte deutschsprachige Onlineplattform zu den Themen Schulentwick-
lung und Unterrichtsentwicklung. Getragen vom Erfahrungsschatz zahlreicher mit dem Deutschen Schul-
preis ausgezeichneter Schulen bietet das Deutsche Schulportal vor allem Praxisimpulse und Informatio-
onen für pädagogische Fachkräfte und alle, die sich für gute Schulen in Deutschland einsetzen.

>>> zum sehr umfangreichen Artikel: „Aufbauender Musikunterricht im Ganztag“ (externer Inhalt)

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