Die JIMplus-Studie 2026 zum digitalen Wohlbefinden von
Jugendlichen wurde veröffentlicht: Social-Media-Nutzung
als Drahtseilakt zwischen Inspiration und Belastung.
Auszüge aus der Pressemitteilung:
Wie Jugendliche die Chancen und Belastungen digitaler Medien erleben und welche Auswirkungen dies auf ihr digitales Wohlbefinden hat
72 Prozent geben an, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich tun sollten und 55
Prozent berichten, dass ihnen dadurch Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten fehlt. Die häufigste
Nebenwirkung des Dauerscrollens: eine spürbare Verringerung der Konzentrationsfähigkeit (40 %).
Auf der anderen Seite bieten die Plattformen für 82 Prozent einen wichtigen Zugang zu Wissen und
etwa die Hälfte berichtet, sich dort verstanden zu fühlen.
Jugendliche erleben Social Media als ständiges Wechselspiel zwischen positiven
Erlebnissen und belastenden Erfahrungen
Eine zentrale Rolle für das digitale Wohlbefinden spielt Social Media und dabei vor allem YouTube,
Instagram, TikTok und Snapchat. Die Nutzung der Plattformen ist derzeit die verbreitetste Online-
Aktivität unter Jugendlichen. Gleichzeitig fällt die Bewertung deutlich ambivalenter aus als bei an-
deren digitalen Freizeitaktivitäten: Während etwa Musikhören überwiegend mit positiven Gefühlen
verbunden ist und auch häufig als Strategie zum Umgang mit Belastungen genutzt wird, erleben
Jugendliche Social Media als ständiges Wechselspiel zwischen positiven Erlebnissen und belas-
tenden Erfahrungen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei d Mädchen: Sie nutzen soziale Netz-
werke häufiger als Jungen, berichten zugleich aber auch häufiger v Vergleichsdruck und geben
deutlich öfter an, sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen.
Problematische Inhalte auf Social Media unterscheiden sich hinsichtlich ihrer
Verbreitung und wahrgenommenen Belastung
Der Kontakt mit problematischen Inhalten ist für viele Jugendliche Teil ihrer digitalen Lebenswelt.
Am häufigsten begegnen s Fake News (71 %), extremen politischen oder religiösen Inhalten (43 %)
sowie Hate Speech (40 %). Als besonders belastend werden dagegen ungewollte Nacktbilder, Mob-
bing, drastische Gewaltdarstellungen sowie Inhalte wahrgenommen, die Essstörungen oder selbst-
verletzendes Verhalten verharmlosen. Im Vergleich zu anderen Social-Media-Plattformen werden
zehn der 13 erfragten Arten problematischer Inhalte am häufigsten mit TikTok in Verbindung ge-
bracht. Die meisten Jugendlichen reagieren auf solche Inhalte, indem sie weiterscrollen und rund
ein Drittel gibt an, sich an die vielen problematischen Inhalte auf Social Media gewöhnt zu haben.
Nur etwa ein Viertel meldet problematische Beiträge den Plattformen. Gleichzeitig weisen Jugend-
liche, die bereits Kontakt mit bestimmten problematischen Inhalten hatten, tendenziell niedrigere
Werte beim persönlichen Wohlbefinden auf.
Die Stellung von TikTok
Auffällig ist die Stellung von TikTok auch in weiteren Kontexten. Obwohl die Plattform im Vergleich
zu anderen Diensten am kritischsten bewertet wird, ist sie auf Platz zwei der Dienste, die die Jugend-
lichen am meisten vermissen würden (bei Mädchen sogar auf Platz eins). Zudem weist TikTok mit
13 Prozent den höchsten Anteil an sehr intensiven Nutzern (>3 Stunden/Tag) auf.
Familie und Freundschaften bleiben wichtigste Ressourcen
Soziale Beziehungen spielen für das persönliche Wohlbefinden eine zentrale Rolle. Die höchste Zufrie-
denheit erleben Jugendliche bei Aktivitäten mit Freundinnen. Auch eine starke familiäre Einbindung
geht mit einem höheren Wohlbefinden einher. Bei Sorgen und Belastungen greifen Jugendliche neben
Musik vor allem auf Gespräche mit vertrauten Personen zurück. Der Austausch mit KI-Chatbots spielt
dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Zwölf Prozent der Jugendlichen nutzen diese Option,
wenn sie etwas belastet.
Die Mehrheit der Plattformnutzer empfiehlt rückblickend ein höheres Einstiegsalter,
als sie es selbst bei der ersten Nutzung hatten
Die Ergebnisse der JIMplus-Studie zeigen insgesamt, d Jugendliche digitale Medien, allen voran Social
Media, nicht ohne Kenntnis über deren Schattenseiten nutzen, sondern trotz der bewussten Wahrneh-
mung dieser Probleme. So beneiden 47 Prozent der Befragten die Generationen, die ohne Social Media aufgewachsen sind. Dieser Aussage, stimmen Mädchen (52 %) deutlich häufiger zu als Jungen (42 %).
Auch beim Thema Altersgrenzen zeigt sich eine differenzierte Haltung. Über die Hälfte steht einem Ver-
bot skeptisch gegenüber, da sie dessen Wirksamkeit bezweifeln. Gleichzeitig sind 43 % der Meinung,
dass Social Media für alle unter einem bestimmten Alter verboten sein sollte. Besonders bezeichnend:
Die Mehrheit d Plattformnutzenden empfiehlt rückblickend ein höheres Einstiegsalter, als sie es selbst
bei der ersten Nutzung hatten. Im Kontext der aktuellen Verbotsdebatte sehen weniger als zehn Prozent
die Perspektive von Jugendlichen als ausreichend berücksichtigt.
Quelle: Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien)
wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs), einer Kooperation der Landes-
anstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Süd-
westrundfunks (SWR) seit 1998 jährlich durchgeführt.
Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Mit der JIM-
plus-Studie 2026 legt der mpfs nun eine ergänzende Sonderstudie zum digitalen Wohlbefinden von 14-
bis 17-Jährigen vor. Dazu dokumentierten in einem ersten, qualitativen Schritt 33 Jugendliche ihren di-
gitalen Alltag mittels Online-Tagebuch. Anschließend nahmen 20 von ihnen an einem Online-Einzelinter-
view teil. In einem zweiten Schritt wurde mit 800 Jugendlichen zwischen dem 13. und 27. Mai 2026 eine repräsentative Online-Umfrage durchgeführt.
>>> Pressemeldung: „JIMplus-Studie 2026 zu digitalem Wohlbefinden von Jugendlichen veröffentlicht“ (extern)
>>> zur umfangreichen JIMplus Studie 2026 (PDF | 48 Seiten | extern)
>>> Alle Ausgaben der JIM-Studie seit 1998 (als PDF | (extern)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Presserklärung liegen ausschließlich bei der Landesanstalt für Kommunikation
Medienforschung; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs).
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Digitale Mediennutzung bei Kindern & Jugendlichen
>>> Die Hälfte der Jugendlichen will soziale Medien weniger nutzen, schafft es aber nicht
>>> Soziale Medien: Kinder und Jugendliche vergleichen sich ständig mit Personen
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