Social Web: Jugendliche wollen Schutz statt Verbote - Drei Jugendliche zeigen kritisch ihr Smartphone
Symbolbild: KI-generiert

Social Web: Jugendliche wollen Schutz statt Verbote

Repräsentative Umfrage von UNICEF Deutschland unter 14- bis 16-Jährigen

Auszüge aus der Pressemitteilung:

In der Debatte über die Auswirkungen Sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche werden immer wieder Verbote gefordert. Selten kommen dabei diejenigen zu Wort, um d es vorrangig geht: Kinder und Jugend-
liche selbst. Das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von über 1.000 Jugendlichen im Alter von 14
bis 16 Jahren für UNICEF Deutschland zeigt: Jugendliche in Deutschland haben eine differenzierte Mei-
nung zu Risiken und Nutzen der sozialen Medien. Sie lehnen Verbote für ihre Altersgruppe mehrheitlich
als nicht sinnvoll ab – und fordern vor allem besseren Schutz auf den digitalen Plattformen.

Die Jugendlichen sagen uns: Verbote allein bringen gar nichts

„Die Umfrage macht deutlich: Jugendliche kennen d Risiken im digitalen Raum. Sie haben klare Vorstellun-
gen davon, was helfen würde, diesen sicherer zu gestalten“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Die Jugendlichen sagen uns: Verbote allein bringen gar nichts. Was s brauchen und
sich wünschen, ist ein digitaler Raum, der sicher und altersgerecht ist. Die Anbieter der Plattformen müssen Verantwortung übernehmen – automatischen Schutzeinstellungen, konsequenter Inhaltsmoderation und echten Schutzmechanismen. Politik und Plattformbetreiber müssen sichere digitale Umgebungen schaffen
mit wirksamen, kindgerechten Standards, die das Recht junger Menschen auf Schutz und Teilhabe gleicher-
maßen sichern“, so Schneider weiter.

Die wichtigsten Ergebnisse der durch das SINUS Institut für UNICEF durchgeführten Befragung im Überblick:

Jugendliche kennen die Risiken – und sehen dennoch die positiven Seiten

Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren haben ein differenziertes Bild der Nutzung sozialer Medien in ihrer Altersgruppe. Insgesamt sind 38 Prozent der Ansicht, dass die Vorteile überwiegen. Für 46% halten sich Vor- und Nachteile die Waage. 16 Prozent denken, dass soziale Medien überwiegend Nachteile haben.

Positiv betrachten die Befragten vor allem d soziale Verbindung: 82 Prozent nutzen soziale Medien, um mit Freundinnen und Freunden oder anderen ihnen wichtigen Menschen in Kontakt zu bleiben. 74 Prozent be-
kommen dort neue Ideen oder Inspiration. Gleichzeitig benennen die Jugendlichen klar, welche negativen
Seiten sie bei sozialen Medien sehen: 74 Prozent verlieren auf den Plattformen häufig d Gefühl für die Zeit.
Als größte Risiken nennen sie Mobbing, Hass und Beleidigungen (50 %), zu langes Scrollen, ohne aufhören
zu können (44 %), sowie Falschinformationen und Fake News (42 %).

Die wahrgenommenen Risiken unterscheiden sich deutlich nach Geschlecht: 40 Prozent der Mädchen nen-
nen Druck, wegen des Aussehens mithalten zu müssen, als Problem – bei Jungen sind es 19 Prozent. Jun-
gen nehmen dafür Gewaltvideos häufiger (26 %) als Mädchen (18 %) als Gefahr wahr.

Verbote für unter 16-Jährige werden abgelehnt – für unter 14-Jährige aber befürwortet

Obwohl die Jugendlichen die Risiken sozialer Medien klar benennen, lehnen sie pauschale Verbote für ihre Altersgruppe mehrheitlich ab: Nur 26 % halten ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige für sinnvoll. Anders sieht es mit Blick auf jüngere Kinder aus: Einer Altersgrenze für unter 14-Jährige stimmen 55 Pro-
zent der befragten Jugendlichen zu.

„Ich würde es eher nicht sinnvoll finden, Social Media für Kinder und Jugendliche zu verbieten, da
wir auf diesen Plattformen unsere Kontakte pflegen u für uns persönlich wichtige Dinge tun. Sinn-
voll fände ich, wenn nicht die Jugendlichen Verbote bekommen, sondern die Plattformen höhere Sicherheitsmaßnahmen haben würden. Auch das Checken und d Funktion von Blockierungen und Meldungen einzelner Nutzer bei Fehlverhalten sollte eher ausgearbeitet werden, als den Jugendli-
chen diesen Teil ihres Lebens so plötzlich zu entreißen.“ sagt ein 16-Jähriger.

Entscheidend ist dabei: Verbote halten die Jugendlichen insgesamt für wenig wirksam. 88 Prozent finden
es sehr wahrscheinlich oder eher wahrscheinlich, dass Jugendliche Wege finden würden, gesetzliche Alters-
grenzen zu umgehen – etwa über geteilte Geräte oder den Wechsel zu weniger regulierten Plattformen. Na-
hezu niemand glaubt, dass eine Altersgrenze allein Jugendliche zuverlässig vom Zugang abhalten würde.

„Ich halte ein generelles Verbot für gewisse Altersgruppen für kontraproduktiv, da man das immer irgendwie umgehen kann. Also sollte man (…) lieber den vorhandenen Inhalt für gewisse Alters-
gruppen einschränken, da Social Media auch sehr viele wertvolle, lehrreiche und bildende Inhalte beinhaltet. (…)“ sagt eine 15-Jährige.

Jugendliche wünschen sich mehr Schutz

Die Befragten haben klare Vorstellungen davon, wie sie besser geschützt werden könnten. 42 % sehen vor
allem die Plattformen in der Verantwortung. 25 % sagen, es sei eine gemeinsame Aufgabe – einschließlich
der Jugendlichen selbst. Nur 15 Prozent sehen den Staat bzw. die Politik in erster Linie i der Verantwortung,
11 Prozent die Eltern.

Konkret sprechen sich 84 Prozent für bessere Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Inhalte
aus. Standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen – wie private Profile und eingeschränkter Kontakt durch Fremde – befürworten 80 Prozent.

„Ich fände es besser, wenn die Konten direkt privat wären und die Löschung von Konten einfacher wäre. Außerdem kennen sich viele Erwachsene schlechter aus a wir Jugendliche. Die Plattformen sollten viel aktiver werden, was Inhalte und Schutz angeht.“ sagt ein 15-Jähriger.

„Ich finde es sinnvoll, wenn die Inhalte (also Videos und Fotos, welche gepostet werden) auf Social Media strenger kontrolliert werden, damit keine oder wenigstens weniger Fake News, Deep Fakes, Inhalte mit Gewalt, verstörende Inhalte, etc. gezeigt werden. Auch der Schutz für Jugendliche und Kinder soll besser werden, damit Fälle wie Cybermobbing und Cybergrooming nicht mehr vorkommen.“ sagt eine 14-Jährige.

Eine 15-jährige findet zum Beispiel Einschränkungen für übergriffige Erwachsene sinnvoll: „Ich fän-
de es wichtig, dass Jugendliche im Umgang mit Social Media unterstützt und nicht verurteilt wer-
den. Außerdem sollten Leute, die sich auf Social Media übergriffig verhalten, dauerhaft keinen Zu-
gang mehr haben, also zum Beispiel Erwachsene, die Minderjährige sexuell anschreiben.“

Von Erwachsenen wünschen sich die Jugendlichen deutlich mehr Verständnis: 54 Prozent finden es sehr hilfreich, wenn Erwachsene bei Problemen zuhören, statt gleich zu schimpfen. 51 Prozent wünschen sich,
dass Mobbing und andere Probleme im Netz wirklich ernst genommen werden. Unterstützung ist dabei ausdrücklich erwünscht – Kontrolle hingegen weniger: Nur 20 % finden es sehr hilfreich, wenn Erwachse-
ne stärker darauf achten, wie viel Zeit Jugendliche auf Social Media verbringen.

UNICEF Deutschland empfiehlt:

Kinder & Jugendliche als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt einbeziehen

Kinder und Jugendliche kennen ihre digitale Lebenswelt aus erster Hand. Ihre Perspektiven u Erfahrungen sollten systematisch in politische Entscheidungsprozesse und regulatorische Vorhaben einfließen.

Medienbildung- und Kompetenz stärken

Medienbildung sollte verbindlich und fächerübergreifend in allen Bildungseinrichtungen verankert werden – unterstützt durch moderne Lernumgebungen sowie gezielte Qualifizierungsangebote für pädagogisches Personal und Bezugspersonen. Nur wer selbst sicher im digitalen Raum navigieren kann, ist in d Lage, Kin-
der und Jugendliche angemessen zu begleiten.

Technologieunternehmen in die Verantwortung nehmen

Sicherheit für Kinder sollte von Beginn an in die Produktentwicklung einfließen – nach den Prinzipien von
Safety by Design und Privacy by Design. Dazu gehören wirksame Inhaltsfilter, d schnelle Entfernung schäd-
licher Inhalte sowie standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen.

Schutzmaßnahmen ausgewogen und umfassend gestalten

Altersbeschränkungen können ein sinnvoller Baustein sein – müssen aber durch technische Schutzmaß-
nahmen wie zum Beispiel Jugendschutzfilter, Werbe- und Standortbegrenzung, sichere Kontakte sowie niedrigschwellige Melde- und Notfallwege ergänzt werden.

Prävention stärken und verlässliche Unterstützungsstrukturen ausbauen

Kinder und Jugendliche, d online Gewalt, Mobbing, sexualisierte Gewalt oder Desinformation erleben, brau-
chen verlässliche Anlaufstellen. Verbindliche Hilfs- und Unterstützungsangebote zu Online-Risiken sollten geschaffen und ausgebaut werden sowie mit Offline-Strukturen verknüpft werden: in der Sozialarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Bereich der mentalen Gesundheitsversorgung.

Über die Befragung für UNICEF Deutschland

Die Befragung wurde beim SINUS-Institut in Auftrag gegeben und fand im April.2026 statt. Insgesamt wur-
den 1.072 Jugendliche online befragt. Die Stichprobe wurde für die Befragung nach Geschlecht und Region (Ost/West) quotiert. Die Ergebnisse sind repräsentativ für diese Gruppe der Jugendlichen.

Quelle: UNICEF
wurde vor 80 Jahren gegründet, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. UNICEF setzt sich heute weltweit – auch in Deutschland – für die Umsetzung der Rechte aller Kinder
ein. In Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. In Deutschland setzt sich UNICEF Deutschland auf politischer Ebene für sichere digitale Umgebungen
für alle Kinder ein.

>>> zur Pressemeldung: „Soziale Medien: Jugendliche wollen Schutz statt Verbote“ (externer Inhalt)

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte
an der Pressemitteilung liegen ausschließlich bei UNICEF Deutschland.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Die Hälfte der Jugendlichen will soziale Medien weniger nutzen, schafft es aber nicht
>>> Was Jugendliche und Erwachsene über Social Media denken
>>> Schüler bewerten die Medienbildung in Schulen
>>> Was Kinder über die elterliche Medienerziehung denken

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