Jedes fünfte Kind erlebt digitale sexuelle Ausbeutung oder Missbrauch - Kind im Social-Media-Labyrinth
Symbolbild | KI-generiert

UNICEF-Studie (21 Länder): Jedes fünfte Kind erlebt digitale sexuelle Ausbeutung oder Missbrauch

Rund 60 % des Online-Missbrauchs finden auf gängigen Social-Media-Plattformen statt | Unter 1% werden Behörden gemeldet 

Auszüge aus der Pressemeldung vom September 2026:

Fast jedes fünfte internetnutzende Kind in den 21 untersuchten Ländern der neuen UNICEF-Studie wurde innerhalb eines Jahres mindestens einmal mit Hilfe digitaler Technologien sexuell ausgebeutet oder miss-
braucht. Dies geht aus d Bericht „Through Children’s Eyes: How Digital Technologies Enable Child Sexual
Abuse” hervor, den UNICEF heute veröffentlicht. Er befasst sich mit Kindern im Alter von zwölf – 17 Jahren,
die das Internet nutzen. UNICEF schätzt, dass in diesen Ländern 20 Millionen betroffen sind.

Der Bericht verbindet Schilderungen betroffener Kinder

mit einem der derzeit umfangreichsten Datensätze zu dem Thema. Er warnt vor der zunehmenden Verbrei-
tung sexuellen Missbrauchs und sexueller Ausbeutung von Kindern. Diese wird durch Technologien online
und offline ermöglicht oder verstärkt werden. Dabei werden digitale Tools und Plattformen beispielsweise
dazu eingesetzt, Kinder in sexuellen Inhalten darzustellen. Auch diese zu verbreiten sowie Kinder anzu-
sprechen, zu nötigen oder zu erpressen.

Das tatsächliche Ausmaß des Problems ist wahrscheinlich noch weitaus größer

UNICEF schätzt auf der Grundlage des neuen Berichts, dass 20 Millionen Kinder v mindestens einer Form sexuellen Missbrauchs oder sexueller Ausbeutung betroffen waren. Mehr als 15 Millionen von ihnen wur-
den ungewollt sexuellen Inhalten ausgesetzt. Neun Millionen wurden aufgefordert, gegen ihren Willen sexu-
elle Gespräche zu führen oder sexuelle Bilder zu teilen. Von vier Millionen Kindern wurden sexuelle Bilder
ohne ihre Zustimmung weiterverbreitet. Das tatsächliche Ausmaß des Problems ist wahrscheinlich noch weitaus größer, da viele Kinder diese Erlebnisse nicht melden.

„Der Bericht offenbart eine schmerzhafte Realität. Mehr als 20 Millionen Kinder in den untersuchten Ländern waren im Internet ungewollten explizit sexuellen Inhalten oder Ausbeutung ausgesetzt, oft in den digitalen Räumen, in denen sie lernen, spielen und
mit Freundinnen und Freunden in Kontakt treten. Diese Erfahrungen verursachen tief-
greifende seelische und psychische Belastungen. Viele Kinder leiden im Stillen und wis-
sen nicht, an wen sie sich wenden können. Wir dürfen nicht wegsehen.”
Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF.

Missbrauch beginnt oft auf Social-Media-Plattformen

Den Ergebnissen zufolge ereigneten sich nahezu 60 Prozent der Fälle auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und WhatsApp. Weitere 14 Prozent der Fälle fanden in Online-Spie-
len statt. Die Funktionen und die Gestaltung dieser Plattformen wurden dabei genutzt, um Vertrauen auszu-
nutzen. In Montenegro waren beispielsweise mehr als 80 Prozent der gemeldeten Fälle mit Social-Media-Plattformen verknüpft.

Der Bericht zeigt, dass Missbrauch etwa durch gefälschte Konten und Funktionen für private Nachrichten erleichtert wird. In den untersuchten Ländern lernten 38 Prozent der Kinder die Person, die sie missbrauch-
te, zunächst online kennen.

In 57% der Fälle waren Personen beteiligt, die das Kind bereits kannte

Gleichzeitig waren in 57 Prozent der Fälle Personen beteiligt, die das Kind bereits kannte, darunter Gleichal-
trige, Partner, Freunde und Familienangehörige. Das widerspricht der gängigen Annahme, dass Online-Miss-
brauch hauptsächlich von Fremden begangen wird.

Wunden, die bleiben: Angst, Isolation, Suizidgedanken

In den Forschungsinterviews beschrieben Kinder häufig Gefühle wie Angst, Scham, Verwirrung u Isolation.
Viele hatten Schwierigkeiten zu verstehen, was geschehen war/wussten nicht, wo sie Hilfe finden konnten.

Laut der Analyse gaben Kinder, die technologiegestützte sexuelle Ausbeutung erlebt hatten, viermal häufi-
ger an, Suizidgedanken zu haben oder suizidales sowie selbstverletzendes Verhalten zu zeigen, als Kinder
ohne diese Erfahrungen. Zudem berichteten sie deutlich häufiger von Angst. In Mexiko und Nordmazedo-
nien war das Risiko für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten bei betroffenen Kindern sogar mehr als
achtmal höher. In Pakistan war das Risiko für selbstverletzendes Verhalten mehr als siebenmal höher.

Was sich ändern muss: Sichere Plattformen und verlässliche Hilfe für Kinder

In mehr als 40 Prozent der Fälle technologiegestützten Missbrauchs vertrauten sich die betroffenen Kinder niemandem an. Weniger als ein Prozent der Fälle wurde Anlaufstellen wie der Polizei, Sozialarbeiterinnen
oder Sozialarbeitern oder Hilfstelefonen gemeldet. Weltweit war der häufigste Grund für das Schweigen,
dass die Kinder nicht wussten, wohin oder an wen sie sich wenden konnten. In einigen der untersuchten
Länder lag der Anteil der Fälle, über die mit niemandem gesprochen wurde, noch höher.

Ob Kinder sexuellen Missbrauch offenlegen

hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Z.B. von ihren Beziehungen zu vertrauenswürdigen Erwachsenen,
die erwarteten Folgen einer Offenlegung, ihr Vertrauen darin, dass ihnen geglaubt und geholfen wird. Zudem
von den sozialen und kulturelle Normen im Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch.

„Das Ausmaß sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs an Kindern im digitalen Raum ist schockierend. Dieser Missbrauch hat schwerwiegende Folgen für Kinder und findet nicht nur in dunklen Ecken des Internets statt, sondern vor allem auch in sozialen Medien, die Kinder täg-lich in ihrer Freizeit nutzen. Kinder dürfen mit dieser Bedrohung
nicht allein gelassen werden. Sie brauchen unterstützende Bezugspersonen und Anlauf-
stellen, an die sie sich wenden können und die ihnen bekannt sind. Sie brauchen digitale Plattformen, die sie schützen und nicht gefähr-den. Regierungen und Technologieunter-
nehmen müssen dringend handeln.”
Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

UNICEF empfiehlt

  • Digitale Plattformen sicher gestalten: Sicherheit für Kinder sollte von Beginn an in die Produktentwick-
    lung einfließen – nach den Prinzipien von Safety by Design / Default und Privacy by Design. Dazu gehö-
    ren beispielsweise besserer Schutz der Privatsphäre v Kindern, Einschränkungen unerwünschter Kon-taktaufnahmen durch Erwachsene. Zudem bessere Erkennung und Meldung von Missbrauch.
  • Den rechtlichen Rahmen stärken: Gesetze müssen betroffene Kinder wirksam schützen und Lücken in
    der Strafverfolgung schließen. Es muss rechtlich möglich sein, neue Formen d Missbrauchs, etwa durch
    KI-generierte sexualisierte Bilder von Kindern, wirksam zu bekämpfen.
  • Verlässliche Unterstützungsstrukturen stärken: Kinder und Jugendliche brauchen niedrigschwellige An-
    laufstellen und Hilfsangebote. Diese sollen mit Sozialarbeit, Kinder- und Jugendhilfe sowie Angeboten der
    mentalen Gesundheitsversorgung verknüpft sind.
  • Kinder mit den Gefahren nicht allein lassen: Kinder müssen beim Schutz im digitalen Raum begleitet wer-
    den. Familien, Lehrerinnen und Lehrer und andere Bezugspersonen müssen befähigt werden, Kindern bei Hinweisen und Offenbarungen von Missbrauch beizustehen; sie bei der Suche nach Hilfe zu unterstützen.

Quelle: Der Bericht „Through Children’s Eyes: How Digital Technologies Enable Child Sexual Abuse
stützt sich auf repräsentative nationale Befragungen von rund 21.000 Kindern in 21 Ländern im Alter von 12 bis 17 Jahren, die das Internet nutzen. Ergänzt wurden diese durch ausführliche Gespräche mit 100 jungen Menschen, die in ihrer Kindheit Missbrauch erlebt hatten. Da die Stichprobe ausschließlich Kinder erfasst, die das Internet nutzen, sind die Ergebnisse für internetnutzende Kinder repräsentativ – nicht jedoch für alle Kinder. Dies gilt insbesondere für Länder mit einer geringeren Internetverbreitung. Die Untersuchung wurde von UNICEF als Teil des Projekts „Disrupting Harm” durchgeführt, das gemeinsam von UNICEF, ECPAT International und INTERPOL umgesetzt wird.

>>> zur Pressemeldung: „Jedes fünfte Kind hat technologiegestützte sexuelle Ausbeutung oder sexuellen Missbrauch erlebt“ (externer Inhalt)

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Inhalte intern auf kindheit-heute.info)
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