Grundlegende Informationen zum Phänomen der bildbasierten sexuellen Gewalt und Handlungsoptionen für Betroffene.
Auszüge aus dem Artikel:
Oft unterschätzt: bildbasierte sexualisierte Gewalt
Damit sind Situationen gemeint, in denen intime oder sexualisierte Bilder ohne Zustimmung der abgebildeten Personen erstellt, verbreitet oder als Druckmittel eingesetzt werden. Hierbei werden grundlegende Rechte wie die sexuelle Selbstbestimmung und das Recht am eigenen Bild missachtet. Für die Betroffenen bedeutet dies eine massive Verletzung ihrer Privatsphäre, ihrer Würde und ihrer persönlichen Sicherheit – mit teils gravie-renden psychischen Folgen.
Generative Künstliche Intelligenz ermöglicht heute
die einfache Erstellung täuschend echter Bilder und Videos. Sogenannte Deepfakes oder Deepnudes zeigen Menschen in intimen Situationen, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat. Die Einstiegshürden sind gering: Oft reichen wenige Klicks und frei verfügbare Tools aus, um solche Inhalte zu erstellen. Für Betroffene spielt es dabei kaum eine Rolle, ob ein Bild echt ist oder nicht – die Wirkung ist dieselbe. Rufschädigung, soziale Aus-grenzung und die ständige Angst vor weiterer Verbreitung gehören für viele zum Alltag.
Diese Entwicklung stellt rechtlich und gesellschaftlich eine große Herausforderung dar
Zwar ist die Verbreitung solcher Inhalte in vielen Fällen strafbar, doch gerade bei KI-generierten Fälschungen gibt es noch Gesetzeslücken. Mit der zunehmenden Qualität und Verbreitung von KI-Technologien ist davon auszugehen, dass auch die Zahl der Fälle zukünftig noch weiter steigen wird. Umso wichtiger ist es, das Prob-lem sichtbar zu machen und Betroffene ernst zu nehmen.
Es gibt Möglichkeiten, sich zu wehren
Betroffene sollten wissen: Es gibt Möglichkeiten, sich zu wehren. Zunächst ist es wichtig, Beweise zu sichern und sich Unterstützung zu holen, beispielsweise bei Beratungsstellen oder der Polizei. Auch Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook bieten Meldefunktionen. Die Bearbeitung d Meldungen kann allerdings län-gere Zeit in Anspruch nehmen. Ebenso entscheidend ist Prävention: Wer seine Privatsphäre-Einstellungen be-
wusst nutzt und persönliche Informationen schützt, kann Risiken zumindest reduzieren. Und nicht zuletzt gilt: Niemand muss mit dieser Situation allein bleiben, denn es gibt zahlreiche anonyme Hilfsangebote, die Betrof-fene unterstützen und begleiten.
Was können Betroffene tun?
Schütze dein Profil
Es ist wichtig, die Sicherheitseinstellungen in den Sozialen Netzwerken so zu wählen, dass möglichst wenig Pri-
vates öffentlich ist. Der Profilname sollte keinen Rückschluss auf den echten Namen, das Alter oder den Wohn-ort enthalten. Je nach Plattform kann man einstellen, ob Fremde das eigene Profil sehen können, ob sie einem Nachrichten schreiben oder Beiträge kommentieren können. Je restriktiver die Einstellungen sind, desto siche-rer. Diese Einstellungen können auch nachträglich getroffen werden. Manche Plattformen bieten die Option, das Profil zu deaktivieren. So kann man in Ruhe überlegen, wie man weiter vorgeht. Auf unseren Themensei-ten gibt es weitere Informationen zu den Einstellungen bei Instagram, TikTok und Co.
Hol dir Hilfe
Du musst diese Situation nicht alleine durchstehen. Wenn Du Bezugspersonen hast, denen du dich anvertrauen kannst, solltest du das unbedingt tun. Wenn du das Gefühl hast, dass du mit niemandem in deiner Umgebung sprechen kannst, gibt es viele anonyme Hilfsangebote. Im Kasten unten haben wir mehrere Beratungsstellen aufgeführt, bei denen man anonym und kostenlos Hilfe findet – per Telefon, E-Mail oder auch im Chat.
Wehr dich: Melde und lösche die Aufnahmen
Alle großen Plattformen wie zum Beispiel Facebook, Instagram und TikTok bieten die Möglichkeit, solche Inhal-
te zu melden. Allerdings kann dieser Prozess lange dauern. Falls die Meldung bei d Plattform aus irgendeinem Grund nicht gut funktioniert, gibt es auch die Möglichkeit, den Vorfall einer Meldestelle (jugendschutz.net und Internet-Beschwerdestelle) mitzuteilen.
So kannst du die Verbreitung präventiv verhindern
Der Dienst Take It Down (deutsch: Lösch das) möchte die ungewollte Verbreitung intimer Bilder von Minderjäh-
rigen verhindern. Wenn du dir Sorgen machst, dass intime Bilder im Netz auftauchen könnten, kannst du diese Aufnahmen bei „Take It Down“ mit einem „digitalen Fingerabdruck“ (genannt Hash-Wert) versehen lassen. Die-
ser Fingerabdruck wird an alle teilnehmenden Plattformen weitergegeben. Das hat zur Folge, dass auf diesen Plattformen niemand mehr diese Inhalte hochladen kann. Mehr Informationen dazu, wie sich Take it Down nut-
zen lässt, gibt es hier. Für alle Personen über 18 Jahren gibt es den Dienst StopNCII.
Hilfe- und Beratungsstellen
Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon (anonym und kostenlos). Rufnummer: 116 111 (Mo-Sa von 14-20 Uhr) sowie Online-Beratung per Mail oder Chat. Elterntelefon (anonym und kostenlos). Rufnummer: 0800 111 0 550 (Mo-Fr 9-17 Uhr, Di-Do 9-19 Uhr.). Website: www.nummergegenkummer.de.
Juuuport: Kostenlose Beratungsstelle von jungen Menschen für junge Menschen. WhatsApp-Beratung oder E-Mail unter: https://www.juuuport.de/hilfe/beratung.
HateAid: Kostenlose Beratungsstelle für Betroffene digitaler Gewalt. Rufnummer 030 25208838 (Mo 10-13 Uhr | Di 15-18 Uhr | Do 16-19 Uhr). E-Mail: beratung@hateaid.org. Website: www.hateaid.org/betroffenenberatung.
Hilfe-Telefon sexueller Missbrauch: Anonyme, kostenlose und mehrsprachige Hilfe und Beratung. Rufnummer 0800 22 55 530 (Mo, Mi, Fr 9-14 Uhr | Di, Do 15-20 Uhr) sowie unter Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch.
Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe: www.aktiv-gegen-digitale-gewalt.de.
Quelle: Die EU-Initiative klicksafe
hat zum Ziel, die Online-Kompetenz der Menschen zu fördern und sie mit vielfältigen Angeboten beim kompetenten und kritischen Umgang mit dem Internet zu unterstützen. Klicksafe bündelt und entwickelt relevante Informationen und Angebote zu einer sicheren, kompetenten und selbstbestimmten Internet-nutzung. Wir richten uns dabei insbesondere an Menschen, die Kinder u Jugendliche unterstützen.
>>> zum Artikel: „Was tun gegen Nacktbilder und Deepfakes im Netz?“ (externer Inhalt“
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Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel extern auf klicksafe.de)
>>> Sexualisierte Gewalt durch Bilder
>>> Verbreitung sexualisierter Aufnahmen
>>> Ich werde mit Nacktbildern erpresst
>>> Warum verbreiten Minderjährige Missbrauchsdarstellungen?
>>> Erpressung mit sexualisierten Aufnahmen
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Prävention sexualisierter Gewalt – ein kriminologisches Interview
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