Wenn die Seele von Jugendlichen Hilfe braucht - Mutter tröstet ihre Tochter
Symbolbild - © KI-generiert

Wenn die Seele von Jugendlichen Hilfe braucht

Laut Studien zeigen rund 1/5 aller Jugendlichen psychische Auffälligkeiten. Etwa 5% der Heranwachsenden erkranken im weiteren Verlauf an gravierenden psychischen Störungen.

Auszug aus dem Dossier:

Jugendliche sind besonders anfällig für psychische Erkrankungen

Verlaufsstudien zufolge steigen psychische Störungen ab dem 11. Lebensjahr proportional an. Laut
Studien zeigen rund ein Fünftel aller Jugendlichen psychische Auffälligkeiten. Etwa fünf Prozent der Heranwachsenden in Deutschland und in anderen Industrienationen erkranken im weiteren Verlauf
an gravierenden psychischen Störungen.

Bei 15- bis 18-Jährigen nehmen Angststörungen, Depressionen und psychosomatische Erkrankungen,
aber auch Suchterkrankungen, zum Beispiel Alkoholmissbrauch, Konsum von illegalen Drogen oder Computerspiel-sucht, stark zu. Dazu kommen Störungen des Ess- und Sozialverhaltens, unterschied-
liche Persönlichkeits-störungen und die bipolare Störung, also ein Schwanken zwischen himmelhoch-
jauchzend und zu Tode betrübt.

Je früher eine psychische Störung erkannt wird, desto besser kann der Betroffene behandelt werden.

Erste Warnzeichen können unter anderem sein

Der Jugendliche

  • zieht sich zurück,
  • wirkt traurig,
  • hat kein Interesse mehr an Dingen, die sonst Spaß gemacht haben,
  • wirkt insgesamt passiv und desinteressiert,
  • vernachlässigt Schule und Hobbies,
  • wird schnell aggressiv,
  • ist im Gespräch nicht mehr so zugänglich,
  • schläft schlecht, hat Albträume oder
  • kann sich schlechter konzentrieren, die Aufmerksamkeit ist nicht mehr so hoch.

Wenn also ein Jugendlicher nicht mehr richtig schläft, nicht mehr gern zum Sport geht oder seine Freun-
de nicht mehr treffen möchte, dann kann das durchaus als Warnsignal verstanden werden. Vor allem,
wenn das veränderte Verhalten länger als ein bis zwei Wochen anhält, sollte man Rat bei Fachleuten su-
chen.

Nicht jede Verhaltensänderung weist auf psychische Störung hin

Nicht jede Verhaltensänderung bedeutet, dass der Betroffene eine psychische Störung entwickelt. Wich-
tig ist, wie lange die Veränderung anhält, ob sie früher schon einmal aufgetreten ist oder ob sie immer
wieder auftritt.

Stimmungstiefs oder gewisse Ängste können Teil einer normalen Entwicklung sein. Viele Verhaltensände-
rungen sind auch nur vorübergehend und der Betroffene kehrt ganz von allein zu seinem früheren Ver-
halten zurück. Erst wenn eine Veränderung über Tage oder Wochen anhält, kann das auf eine psychische Störung hinweisen.

Wachsames Verhaltensänderung hilfreich

Um zu erkennen, ob ein Jugendlicher gefährdet ist, eine psychische Störung zu entwickeln, ist auch ein
waches Umfeld wichtig.

Denn oft genug bemerken auch andere Bezugspersonen des Jugendlichen, zum Beispiel Großeltern, Leh-
rer oder Betreuer die Veränderungen. Ein Austausch unter den Bezugspersonen kann dann besonders
wichtig sein, um das Ausmaß der Veränderung besser einschätzen zu können.

Man sollte nicht zu lange warten, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein erster Ansprech-
partner kann der Kinder- und Jugendarzt sein. Er kann den Jugendlichen gegebenenfalls zu einem Kinder-
und Jugendpsychiater oder einem Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten überweisen.

Je früher eine psychische Störung erkannt wird, desto besser kann der Betroffene behandelt werden. Es
ist sehr wichtig, auf veränderte Verhaltensweisen von Jugendlichen zu achten und nicht darauf zu vertrau-
en, dass sich alles v allein wieder einrenkt. Denn wer in jungen Jahren unter Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Störungen leidet, ist gefährdet, auch als Erwachsener psychische Störungen zu entwickeln.

Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

Jungen sind häufiger psychisch krank als Mädchen. Ab dem 15. Lebensjahr kehrt sich der Geschlechtsunterschied jedoch um. Jungen erkranken viereinhalbmal so oft an ADHS, sie neigen stärker
zu aggressivem und oppositionellem Verhalten, sie schwänzen häufiger die Schule oder laufen von zu
hause weg. Sie sind auch häufiger suchtkrank.
Bei Mädchen überwiegen Essstörungen u psychosomatische Leiden. In ihrer Jugend leiden sie doppelt
so häufig wie Jungen unter Depressionen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit.

Mögliche Ursachen

Frühkindliche Erfahrungen haben einen großen Einfluss

Frühkindliche Erfahrungen haben einen großen Einfluss auf die spätere psychische Entwicklung. Wer als
Kind sexuellen Missbrauch, den Tod eines Familienmitglieds, Krankheiten oder Naturkatastrophen erlebt,
leidet häufiger an psychischen Erkrankungen.

Insgesamt stellen eine erhöhte seelische Verletzlichkeit (Vulnerabilität), genetische Faktoren, physische Erkrankungen, gestörte Hirnfunktionen, Temperament und Persönlichkeit, sexueller Missbrauch, Gewalt-erfahrungen, Vernachlässigung, Verlust wichtiger Bezugspersonen, psychische Erkrankungen der Eltern,
ein von Streit und Gewalt geprägtes familiäres Umfeld, Trennung oder Scheidung der Eltern, geringer Bildungsgrad der Eltern oder prekäre finanzielle Verhältnisse der Familie Risikofaktoren dar.

Ergänzung

Einstieg in eine Psychotherapie

Die erste Anlaufstelle ist der Kinder- und Jugendarzt (m/w) oder ein Hausarzt. Die Diagnose dürfen Fach-
ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeut: innen sowie approbierte psychologische (Erwachsenen-) Psychotherapeuten mit einer entsprechenden Fachkunde für Kinder und Jugendliche stellen. Nach der Diagnose, die bei jüngeren Patient:innen immer im Beisein der
Eltern gestellt wird, werden mögliche Therapieansätze besprochen.

Je nach Reifegrad und Fall dürfen ab dem 15. Lebensjahr gesetzlich versicherte Jugendliche ohne Wissen
und Einwilligung ihrer Eltern eine Psychotherapie machen. Ab diesem Alter gilt die Schweigepflicht der behandelnden Therapeut:innen gegenüber Eltern. Privat versicherte Jugendliche benötigen hingegen in
aller Regel die Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Grundsätzlich gibt es therapeutische Angebote wie Einzelgespräche, kombinierte Begleitung der Familie
oder auch – je nach Diagnose – Gruppenangebote. Wenn es die diagnostizierte Störung oder Erkrankung erfordert, kann auch begleitend m Medikamenten behandelt werden. Diese Behandlung muss engmaschig vom verschreibenden Arzt sowie dem sonstigen Fachpersonal begleitet werden.

Sonderfall Autismus

Wenn Kinder oder Jugendliche im Autismus-Spektrum diagnostiziert werden, helfen zusätzlich die regiona-
len Autismuszentren des Landkreises sowie der Bezirke oder Bundesländer / Stadtstaaten in der Aufklärung sowie den Unterstützungsmöglichkeiten weiter. Diese arbeiten mit den Schulpsychologen beziehungsweise Inklusionsbeauftragten der jeweiligen Schulen zusammen. Es gibt Möglichkeiten wie Schulbegleitung oder Hunde, die für hoch autistische Kinder und Jugendliche ausgebildet sind, um den Schulalltag oder eine Ausbildung zu unterstützen. Das Jugendamt bietet ebenfalls hohe Unterstützung, um eine Beschulung des Kindes zu ermöglichen und langfristig einen Schulabschluss zu sichern. Berufsbildungszentren und die Agen-
tur für Arbeit unterstützen dann die Jugendlichen sowie deren Erziehungsberechtigte für eine Ausbildung.

Quelle: Der Verein Pro Psychotherapie e.V.
wurde aus dem Wunsch heraus gegründet, Menschen mit psychischen Problemen per Information, Aufklärung und einer Therapeutensuche auf ihrem Weg zu helfen. Das Psychotherapie-Portal therapie.de stellt hier eine leicht zugängliche Informationsquelle für Laien und Experten dar. Die deutschlandweite Therapeutensuche erleichtert und verkürzt Hilfesuchenden auf therapie.de den Weg zum Therapieplatz. Neben der Unterstützung von Betroffenen, ihren Angehörigen und weiteren Vermittlern im Gesundheitswesen engagiert sich der Verein für eine Professionalisierung der Psychotherapie auf der „Anbieterseite“.

>>> Zum Dossier: „Psychische Probleme bei Jugendlichen“ ergänzt mit Fallbeispielen (externer Inhalt)

Akute Hilfe

Wenn dieser Artikel bei Ihnen Ängste, Beklemmungen oder weitere Probleme verursachen, holen Sie sich bitte rasch externe Hilfe bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Für Kassenpatienten können Sie außerhalb von Praxisöffnungszeiten die Nummer 116 117 wählen.

Falls Ihnen ein Trauma akut Beschwerden verursacht, rufen Sie eine der Hilfenummern an oder schreiben im Chat. Es gibt auch regionale Trauma-Akutzentren, die Ihnen in Ihrem Bundesland oder Stadtstaat rasch weiterhelfen.

Die Telefonseelsorge ist online und unter den Telefonnummern (0800) 111 0 111, (0800) 111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar. https://www.telefonseelsorge.de/chat/

Akute Hilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es bei der „Nummer gegen Kummer“ unter der Telefonnummer 116 111.

Für Menschen bis 24 Jahre hilft www.krisenchat.de weiter.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Selbstverletzendes Verhalten – Was tun?
>>> Jugendstudie zu Einsamkeit
>>> Zwischen Krisen und fehlender Unterstützung: Die stille Not von Kindern und Jugendlichen
>>> Ängste bei Kindern werden chronisch
>>> Schwerdte Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen
>>> Depressionen bei Schülerinnen und Schülern
>>> Was tun bei vermuteter (Selbst-)Gefährdung von Jugendlichen?
>>> Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

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