Die Hoffnung auf einen Rückgang bei psychischen Erkrankungen ist nicht eingetreten. Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen.
Auszug aus der Pressemeldung vom 8. Dezember 2025:
„Die aktuellen Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports zeigen den Ernst der Lage und eine neue Dimension. Die leise Hoffnung auf einen Rückgang bei psychischen Erkrankungen ist nicht eingetreten. Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Genera-
tion verlieren.“
Andreas Storm, DAK-Vorstandschef
Chronifizierung bei jugendlichen Mädchen verdoppelt
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport hat sich die Chronifizierung von Angststörungen verdoppelt. Im Vorpan-
demiejahr 2019 mussten 8,1 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren jedes Quartal mit einer Angst-
störung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es 16,6 je 1.000 jugendliche Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 106 Prozent. Zudem haben sich die Komorbiditäten, also ein gleichzeitiges Auftreten zweier psychischer Erkrankungen bei jungen Patientinnen, ebenfalls knapp verdoppelt. Die Zahl jugendlicher Mädchen, die zeitgleich an einer Angststörung und einer Depression litten, erhöhte sich 2024
im Vergleich zu 2019 um rund 90 Prozent.
Plateau-Bildung bei Angststörungen seit 2021
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt, dass 2024 rund 22 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugend-
lichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt wurden. Das entspricht hochgerechnet bundesweit rund 230.000 Kindern und Jugendlichen. Seit 2021 bleiben die Zahlen in allen Altersgruppen auf einem konstant hohen Niveau. Diese Plateau-Bildung zeigt sich besonders deutlich bei jugendlichen Mädchen. 2024 mussten 66,5 von 1.000 Mädchen mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden, ins-
besondere mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet waren es deutschlandweit rund 75.500 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich mit dem letzten Vorpandemiejahr 2019 ist das ein Plus von 53 Prozent.
Auch Depressionen und Essstörungen weiter auf hohem Niveau
Ein ähnlicher Trend zu einer Plateau-Bildung zeigt sich auch mit Blick auf Depressionen und Essstörungen. So stiegen die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen 2024 im Vergleich zu 2019 um gut 27 Prozent, bei Essstörungen um etwa 38 Prozent. Seit 2021 verharren d Zahlen nahezu unverändert auf der glei-
chen Höhe. 2024 waren hochgerechnet bundesweit rund 84.000 jugendliche Mädchen mit einer Depression in Behandlung. Im Falle von Essstörungen waren es etwa 23.000 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren – vor allem mit den Diagnosen Magersucht und Bulimie.
Kinderärzte: „Ergebnisse besorgniserregend“
„Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis. Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern u Jugendlichen. Insbeson-
dere Ängste spielen dabei eine große Rolle. Dass sich bei den psychischen Erkrankungen gerade bei jugendlichen Mädchen ein Plateau gebildet hat, überrascht mich nicht.“
Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte
„Die Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports verdeutlichen, was Millionen junge Menschen aus ihrem Alltag kennen. Wir befinden uns in der Krise der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, sagt Quentin Gärtner, Mitorganisator der Kampagne „Uns geht’s gut?“ der Bundesschülerkonferenz. „Wir brauchen Unterstützung von Fachkräften wie Schulpsychologen oder Schulsozialarbeitern. Zudem Schulgebäude, in de-
nen man sich tatsächlich wohlfühlen kann, und Unterricht, der Wohlbefinden als notwendige Voraussetzung
für Leistung anerkennt. Die Bundesregierung und Bildungsministerkonferenz dürfen uns nicht weiter im Stich lassen. Die Lösungen liegen auf der Hand. Die Politik muss jetzt liefern.“
Quelle: „Kinder- und Jugendreport“ der DAK-Gesundheit
Als erste Krankenkasse hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit ver-
sichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 42 Millionen ambu-
lanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne 5 bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen.
>>> zur Presseerklärung: „Ängste bei Kindern werden chronisch“ (externer Inhalt)
>>> zur Studie: „ERGEBNISSE DES DAK-KINDER- UND JUGENDREPORTS“ (PDF, extern)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Darstellung des Bildungsprogramms/der Projektinitiative liegen ausschließlich bei der DAK-Gesundheit, Hamburg.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Depressionen bei Kindern und Jugendlichen
>>> Psychische Gesundheit: Mädchen schneiden schlechter ab als Jungen
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