Mehrheit hält Bildungssystem für ungerecht - Eine Gruppe von Grundschülen
Symbolbild | Erstellt mit der Unterstützung einer Bild-KI

Mehrheit hält Bildungssystem für ungerecht

NDR-Umfrage: Zwei Drittel der Befragten aus dem Norden empfinden das Bildungssystem als ungerecht.

Auszug aus dem Artikel vom 06.02.2026:

Für den 20-jährigen Fouad aus Niedersachsen steht fest: „Das deutsche Bildungssystem ist unfair und veral-
tet. Kinder werden viel zu früh aussortiert, ihre Herkunft wiegt oft mehr als Leistung. Schulen hängen technisch hinterher, während wichtige Dinge wie Finanzbildung, kritisches Denken und digitale Skills kaum vorkommen. Statt selbstständige Menschen zu fördern, produziert das System Prüfungsmaschinen.“ Mit dieser Meinung steht er nicht allein da.

65 Prozent der Teilnehmenden empfinden das deutsche Bildungssystem als (eher) ungerecht. Eine von ihnen ist Maarit aus Mecklenburg-Vorpommern: „Ich sehe, dass es in Deutschland sehr vom Bildungsgrad der Eltern abhängt, wie Kinder beim Lernen unterstützt werden.“

Mangelhafte Digitalisierung an deutschen Schulen

Als großes Problem an den deutschen Schulen sehen 69 Prozent eine mangelhafte Digitalisierung. Gleichzeitig sehen 59 Prozent bei der KI-Nutzung durch Schülerinnen und Schüler Nachteile. „Die Schule sollte sich darauf konzentrieren, mit den Schülerinnen und Schülern diese Technologie kritisch zu hinterfragen und den Umgang zu erlernen“, meint der 17-jährige Till aus Niedersachsen. „Ein generelles Verbot stärkt nur die Verheimlichung.“

Elke (65) aus Schleswig-Holstein sieht das anders: „Nur der kritische richtige Umgang sollte vermittelt werden in höheren Klassen. Ansonsten bitte den eigenen Verstand benutzen und fördern.“

Jan aus Mecklenburg-Vorpommern ist für den Einsatz von KI – und zugleich für ein Handyverbot: „Ich finde, es sollte zum Standard werden mit der Tutor Funktion einer KI zu lernen und Handys aus Schulen zu verbannen“, sagt er. Mit ihm befürworten 83 Prozent der Befragten ein Handyverbot im Schulalltag.

Wo liegen die größten Probleme?

Noch größere Probleme als in der Digitalisierung sehen die Befragten vor allem im Lehrkräftemangel (90 %), in Lernrückständen bei Schülern (84 Prozent) und dem Zustand der Schulgebäude (80 Prozent). Ebenso werden Gewalt und Mobbing, Unterichtsausfall und die Integration von Schülerinnen und Schülern als große Problem-
felder gesehen.

Welche Schulbereiche sind besonders problematisch?

Vorbereitungsklassen als wichtigste Maßnahme zur Integration

Zwei Drittel der #NDRfragt-Teilnehmer sagen, dass die Integration schlecht läuft, nur 21 Prozent sagen, dass es gut läuft. Wie kann gute Integration gelingen?

Als wichtigste Maßnahmen für gute Integration von Schülern mit Migrationserfahrung werden Vorbereitungs-klassen (65 Prozent) und zusätzliche Deutschförderung (64 Prozent) genannt. Dass die Integration bisher sehr oder eher schlecht läuft, meinen 73 Prozent der Teilnehmenden.

Wie kann Integration gelingen?

„Kinder lernen Sprachen schnell, aber sie brauchen bei der Eingliederung konstante Unterstützung einer zusätz-
lichen Fachkraft“, meint etwa Stefanie (48) aus Hamburg. „Klassenlehrer können dies im Regelunterricht nicht zusätzlich übernehmen – darunter leiden alle Beteiligten.“

Katharina (56) berichtet von ihren guten Erfahrungen: „Wir haben einen sehr hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und sehr gute Erfahrungen mit der Vielfalt, die das Miteinander bereichert.“

Alle Ergebnisse der nicht repräsentativen, aber gewichteten #NDRfragt-Umfrage können Sie hier nachlesen. An der Umfrage haben 21.492 Menschen teilgenommen.

Quelle: NDR-Umfrage „Bildungssystem“
Unsere Analyse konzentriert sich auf das norddeutsche Stimmungsbild und wertet gezielt die Antworten aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen aus.

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings nach den statistischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland, Schulabschluss und Familienstand gewichtet. Das heißt: Ant-
worten von Bevölkerungsgruppen, die unter den Befragten seltener vertreten sind als in der norddeut-
schen Bevölkerung, fließen stärker gewichtet in die Umfrage-Ergebnisse ein. Und die Antworten von in
der Befragung überrepräsentierten Gruppen werden schwächer gewichtet. Insgesamt verteilen sich die Antworten dann am Ende eher so, wie es der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Nord-
deutschland entspricht.

>>> zum Artikel; „#NDRfragt-Umfrage: Mehrheit hält Bildungssystem für ungerecht“ (externer Inhalt)

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte
an dem Artikel und an dessen Auszug liegen ausschließlich bei den Mitarbeitern der Umfrageerstellung: Dominika Jaschek, Bastian Kießling, Nora Köhler, Die Datenanalyse wurde von Lisa Richter durchgeführt.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Große Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem in Deutschland
>>> Nur 23 % der Bundesbürger sind der Auffassung, dass Deutschland ein gutes Bildungssystem hat
>>> VoiceUp!-Studie 2025: Junge Menschen fordern Mitsprache und Mitbestimmung
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