Lehrkräfte und Lehramtsstudenten erwarten in den MINT-Fächern höhere Fähigkeiten von Jungen als von Mädchen. Die Unterschie-
de sind insbesondere in den Bereichen Technik und Informatik stark ausgeprägt.
Auszüge aus der Pressemitteilung vom 09.12.2025:
Lehrkräfte und Lehramtsstudierende erwarten in den MINT-Fächern bei Jungen höhere Fähigkeiten als bei den Mädchen. Das haben zwei Studien des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation ergeben. Die Autorinnen empfehlen eine entsprechende Sensibilisierung i Lehramtsstudium, in Fortbildungen und nicht zuletzt auch beim Unterrichtsmaterial.
Deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen MINT-Bereichen
In beiden Studien wurde deutlich, dass Lehrkräfte Jungen in den MINT-Fächern durchweg höhere Kompeten-
zen zuschrieben als Mädchen – mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen MINT-Bereichen, die jedoch in beiden Studien ähnliche Muster aufwiesen. In den Bereichen Technik und Informatik war die Erwar-
tungslücke deutlich größer als in den Bereichen Mathematik u Naturwissenschaften.
Lehramtsstudierende gingen von größeren Kompetenzunterschieden zwischen den Geschlechtern aus als bereits im Dienst stehende Lehrkräfte
Die Teilnehmer wurden gebeten, jeweils getrennt für Jungen und Mädchen auf einer Skala einzuschätzen,
wie gut die Kinder typischerweise in der jeweiligen Domäne sind. Die Domänen umfassten Mathematik, Na-
turwissenschaften, Technik sowie Informatik. In der ersten Studie nahmen 43 Grundschullehrkräfte aus Ba-
den-Württemberg teil. Studie 2 erweiterte d Stichprobe auf 85 Lehrkräfte und 174 Lehramtsstudierende aus
der gesamten Bundesrepublik. Darin zeigte sich deutlich, dass Lehramtsstudierende v größeren Kompetenz-
unterschieden zwischen den Geschlechtern ausgingen als bereits im Dienst stehende Lehrkräfte.
Die Untersuchung zeigt, dass Technik und Informatik stärker adressiert werden sollten
Für Hanna Beißert ergeben sich aus den beiden Studien wichtige Implikationen für die Praxis. „Zum einen
sollten Lehramtsausbildung u Fortbildungen gezielt geschlechtsspezifische Stereotype thematisieren und
bei angehenden Lehrkräften Bewusstsein und Reflexionsräume schaffen. Zum anderen empfiehlt sich eine Differenzierung zwischen den einzelnen Domänen.“ So werde in der geschlechterbezogenen Förderung der Fokus oft auf das Fach Mathematik gelegt. „Unsere Untersuchung legt jedoch nahe, dass gerade Technik
und Informatik stärker adressiert werden sollten. Das gilt explizit auch für Lehrkräfte im Grundschulbereich“,
so Beißert weiter.
Unterrichtmaterialien divers gestalten und Bilder/Beispiele mit Mädchen verwenden
Denn die Stereotype von Lehrkräften wirkten in der Grundschule auf die grundlegenden Einstellungen von
Kindern im Hinblick auf den MINT-Bereich. Selbst wenn die Naturwissenschaften, Informatik und Technik in
der Grundschule keine eigenständigen Fächer sind, werde im Sachkundeunterricht der Unterricht in diesen Fächern vorbereitet. Zudem empfiehlt Prof. Beißert, Unterrichtmaterialien diverser zu gestalten und gerade
in den MINT-Fächern gezielt Bilder und Beispiele mit Mädchen und Frauen zu verwenden.
Quelle: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich. Das Leibniz-Institut erarbeitet, doku-
mentiert und vermittelt Wissen über Bildung – mit einer für Deutschland einzigartigen Kombination
aus Forschung, Transfer sowie Entwicklung und nachhaltiger Bereitstellung von Infrastrukturen. So
trägt es dazu bei, dass Bildung gelingt und Herausforderungen im Bildungswesen bewältigt werden.
>>> zur Pressemitteilung: „MINT-Stereotype: Lehrkräfte rechnen bei Mädchen vor allem in Technik und Informatik mit geringeren Kompetenzen“ (externer Inhalt)
>>> zur Studie: Fink, K., Weiß, H., McGuire, L., Mulvey, K. & Beißert, H. (2025). Teachers’ and pre-service teachers’ (stereotypical) expectations regarding children’s competencies in different STEM fields. Zeitschrift
für Erziehungswissenschaft, 28, 1103–1122. https://doi.org/10.1007/s11618-025-01352-w
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Alle Rechte an der Pressemitteilung und an deren Auszügen liegen ausschließlich bei dem DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Frankfurt am Main
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