Schüler erzielen durch die gezielte Förderung und das angepasste Lerntempo deutliche Erfolge. In dieser Schule werden die Stärken betont und weniger über Defizite gesprochen. So bekommt Schule einen ganz anderen Charakter.
Auszüge aus dem Artikel:
Schulleiter Rüdiger Schrade-Tönnißen und sein Team haben auf jahrgangsübergreifendes Lernen umgestellt. Obwohl die Arbeitslast nun höher ist, gewinnen am Ende alle.
2018/2019 haben Sie zunächst mit einer Klasse das jahrgangsübergreifende Lernen, kurz JüL, erprobt. Wie kam es dazu?
Rüdiger Schrade-Tönnißen: Mit der Aufhebung d Schulbezirksgrenzen 2008/2009 und der verstärkten Zuwan-
derung veränderte sich d soziale Struktur der Schule sehr stark. Es fingen deutlich mehr Kinder ohne Deutsch-
kenntnisse u mit sonderpädagogischem Förderbedarf bei uns an. Sie machen mittlerweile immerhin ein Drit-
tel unserer Schülerschaft aus, was den Unterricht in den Anfangsklassen erheblich erschwert.
Gleichzeitig bemerkten wir, dass d traditionelle schulbuchorientierte Unterricht unsere Schülerinnen und Schü-
ler überforderte, sie emotional an ihre Grenzen kamen. Das führte nicht selten zu Konflikten. Außerdem hatte sich auch die Zusammensetzung unseres Teams verändert. Aus einer sehr stark multiprofessionell geprägten Perspektive setzte sich die Erkenntnis durch, dass wir das Potenzial der Kinder nur ausschöpfen können, wenn wir den Unterricht individueller gestalten.
„Alle, die bei uns lernen wollen, sollen das auch können. Jedes einzelne Kind fordert uns dazu
auf, unser Schulsystem so anzupassen, dass wir
diesem Auftrag gerecht werden.“
Rüdiger Schrade-Tönnißen, Schulleiter der Grundschule Im Brömm
Worin liegen die Vorteile für die Kinder, aber auch für die Lehrkräfte?
Schrade-Tönnißen: Ähnlich wie im System Familie lernen die Kleinen im Zusammenleben von den Großen. Im Laufe der vier beziehungsweise fünf Jahre verändert sich jedoch die Rolle jedes Kindes in der Gruppe: Die Klei-
nen wachsen ganz natürlich in größere Verantwortungsbereiche hinein. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder in den höheren Klassen und fördert gleichzeitig die soziale Eingewöhnung und den Lernerfolg der Jüngs-
ten. So haben wir kaum noch weinende Kinder in den ersten Klassen.
Außerdem können unsere Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo lernen. Jene, die in einem Fach weiter sind, bearbeiten Inhalte aus höheren Jahrgängen, während andere mehr Zeit für das Grundlagenwissen haben. Diese Wahlmöglichkeiten stärken die Motivation und steigern die Arbeitshaltung sowie die Konzentra-
tion im Unterricht, da jedes Kind auf seinem individuellen Lernweg begleitet wird. Für d Lehrkräfte wiederum ist der jahrgangsübergreifende Unterricht zwar eine anspruchsvolle und zeitintensive, aber auch eine bereichern-
de Aufgabe. Sie können die Kinder intensiver und individueller fördern, was die Zufriedenheit im Arbeitsalltag steigert.
>>> zum vollständigen Artikel: „Wir reden heute deutlich mehr über Stärken als über Defizite“ (extern)
>>> Jahrgangsübergreifendes Lernen
Autor/Quelle:
Rüdiger Schrade-Tönnißen ist der Schulleiter der Grundschule Im Brömm. Er ist Verfechter des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, den er für die geeignetste Organisationsform für Schulen des Gemeinsamen Lernens in sozialen Brennpunkten hält.
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an dem Artikel liegen ausschließlich bei Rüdiger Schrade-Tönnißen, dem Schulleiter der Grundschule Im Brömm sowie bei dem Schub-Magazin, ein Projekt der Wübben Bildungsstiftung.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
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