In Nordrhein-Westfalen ist Gewalt in Kitas 2025 deutlich gestie-
gen: Um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem unterein-
ander haben Kinder mehr Übergriffe erlebt.
Auszüge aus dem Artikel vom 31.01.2026:
In NRW-Kindertagesstätten sind Erwachsene im vergangenen Jahr mehr als 1.600 mal gewaltsam gegen Kinder vorgegangen
Fast doppelt so häufig sind Kinder gegen andere Kinder gewalttätig geworden. Insgesamt 4.718 Übergriffe
sind den Landesjugendämtern gemeldet worden – fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Landesregierung auf die Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor. Zuerst hatte der Kölner Stadt-Anzeiger am Samstag (31.01.26) darüber berichtet.
Verpflichtendes Schutzkonzept gegen Gewalt
Die neue NRW-Familienministerin Verena Schäffer teilte dem WDR mit, die Zahlen seien „ein Beleg dafür,
dass mehr Fälle ins Hellfeld rücken und nicht mehr unentdeckt bleiben. Wir sind als Politik, aber auch als Gesellschaft sensibler geworden und schauen genauer hin. Die Zahlen machten aber auch deutlich, „dass wirksamer Kinderschutz eine gute Zusammenarbeit aller Akteure“ brauche, so Schäffer.
Eine Sprecherin d Familienministeriums verweist darauf, dass für alle Kitas seit 2021 ein Schutzkonzept
gegen Gewalt verpflichtend sei. Dieses müsste den Landesjugendämtern vorgelegt werden und würde überprüft, wenn es dazu einen Anlass gebe.
Kitas müssen Vorfälle den Jugendämtern melden
Ereignisse, die das Wohl der Kinder beeinträchtigen könnten, müssen von den Kita-Trägern den zuständi-
gen Jugendämtern gemeldet werden. Dabei sind unterschiedlichste Arten von Gewaltanwendung denkbar.
Die Universität Gießen etwa hat zuletzt im Auftrag d Bertelsmann-Stiftung bundesweit 20.000 Kitafachkräfte und -leitungen zu Fehlverhalten in ihren Einrichtungen befragt.
Bei der Studie ging es ausschließlich um Fehlverhalten von Erzieherinnen und Erziehern und nicht um das
von Kindern untereinander. Die Befragung gibt Hinweise auf mögliche Arten von Gewalt in Kitas. Laut den Autoren gehören zu Übergriffen durch Erzieherinnen und Erziehern verschiedene Formen von Gewalt: Etwa Beschämen oder Ausgrenzen von Kindern, Angst machen, Trost verweigern, oder auch Zerren und unzurei-
chende Körperpflege, aber auch eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.
Unterschiedlichste Arten von Gewalt in Kitas
Bei Übergriffen, die NRW-Jugendämtern gemeldet werden, wird zwischen sexualisierter Gewalt, körperlicher Gewalt und psychischer Gewalt unterschieden. Die meisten Fälle betreffen körperliche Gewalt: Hier gab es
im vergangenen Jahr insgesamt 2.481 Übergriffe v Kindern untereinander und 1.084 Übergriffe von Erwach-
senen an Kindern.
Damit haben sich die Fälle körperlicher Gewalt von Kindern untereinander gegenüber dem Vorjahr verdoppelt (1.238 Fälle im Jahr 2024). Körperliche Gewalt von Erwachsenen an Kindern hat sich gegenüber dem Vorjahr sogar fast verdreifacht (390 Fälle im Jahr 2024). Auch in den meisten anderen Kategorien hat sich die Zahl
der Fälle erhöht (siehe Tabelle).

Kinderschutzbund: Zu wenig und unzureichend qualifiziertes Personal
Bereits 2023 hatte sich die Gesamtzahl gemeldeter Übergriffe mit 1.943 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt (2022: 1.027). Der Landesgeschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes in NRW, Michael Kutz, sprach im Kölner Stadt-Anzeiger davon, dass es zu wenig und unzureichend qualifiziertes Personal in
den Kitas gebe. Die „zunehmenden Gefährdungsfälle für das Wohl der Kinder“ seien „nicht zuletzt Folge ei-
ner unzureichenden Personalausstattung und des Abbaus von Standards zur Ausbildung und Qualifikation,
die inzwischen zu einer erheblichen Überlastung der Kitas und des Personals führen“, so Kutz gegenüber
der Zeitung.
Kutz forderte in diesem Zusammenhang, dass die Landesregierung ihren Gesetzentwurf zur Änderung der Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) überdenkt. Die KiBiz-Reform sieht unter anderem vor, dass in den Randzei-
ten zum Beginn und zum Ende des Kita-Tages in Zukunft nicht unbedingt Erzieher und Erzieherinnen vor
Ort sein müssten. Eine Qualifikation zum Kinderpfleger oder zur Kinderpflegerin würde zum Beispiel aus-
reichen.
Quelle: Der Westdeutsche Rundfunk Köln (WDR)
ist der 1956 gegründete öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsender im Land Nordrhein-Westfalen.
Die Anstalt des öffentlichen Rechts (Landesrundfunkanstalt) hat ihren Hauptsitz in Köln. Der WDR betreibt Hörfunk, Fernsehen und damit verbundene Aktivitäten im Internet. Er ist die größte Sendeanstalt der ARD.
>>> zum Artikel: „Gewalt in NRW-Kitas gestiegen“ (externer Inhalt)
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Ergänzende Artikel und Informationen (externer Inhalt)
>>> Prof. Dr. Jörg Maywald: „Fehlverhalten und Gewalt durch pädagogische Fachkräfte in Kitas“
>>> ver.di-Schriften zur Sozialen Arbeit: „Verletzendes Verhalten in der Kindertagesbetreuung“
>>> Bertelsmann-Stiftung: „Zentral für Schutz und Wohlbefinden von Kindern“
Ergänzende Artikel und Informationen (interner Inhalt auf kindheit-heute.info)
>>> „Team Wallraff“ deckt körperliche und seelische Gewalt in Kitas auf
>>> Verdachtsfälle über Gewalt in Kitas
>>> Das «Kita-Krisenbuch»
>>> Tausende Erzieherinnen berichten von ihren Erfahrungen
>>> Personal überfordert: Mehr Meldungen über Fehlverhalten in Kitas
>>> Die Lage in den Kitas ist „kaum zu verantworten“
