Fast ein Drittel der von Ausfällen oder Kürzungen Betroffenen musste die eigene Erwerbsarbeitszeit reduzieren, um die Be-
treuungslücke zu schließen. Mehrheitlich springen Frauen ein.
Auszug aus dem Artikel vom 13.02.2026:
An mindestens einem Tag kurzfristig und ungeplant
Im Detail gaben von den im November und Dezember 2025 befragten Müttern und Vätern, die ihre Kinder
in einer Kita, bei Tageseltern oder einer Ganztagsschule in Betreuung gegeben haben, 35 Prozent an, dass
die Einrichtung in den drei Monaten zuvor an mindestens einem Tag kurzfristig und ungeplant geschlossen hatte. Bei 44 Prozent kam es zu Verkürzungen der vereinbarten Betreuungszeiten. Da ein Teil der Eltern so-
wohl mit Kürzungen als auch mit Schließungen zurechtkommen musste, summiert sich d Quote der Betrof-
fenen insgesamt auf bundesweit 54 Prozent.
Die Ausfall-Quoten in Ostdeutschland
Dabei waren die Ausfall-Quoten in Ostdeutschland niedriger als im Westen, insbesondere m Blick auf Schlie-
ßungen. So gaben 21 Prozent der Eltern in Ostdeutschland an, in den drei Monaten vor der Befragung einen Ausfall der Betreuung a mindestens einem Tag erlebt zu haben. Im Westen betraf dies 39 Prozent der befrag-
ten Eltern. Und während im Osten 39 Prozent der Eltern eine Reduktion der Betreuungszeiten erlebten, waren dies im Westen 45 Prozent.
Besonders häufig waren Eltern von kleinen Kindern betroffen
Besonders häufig waren Eltern von kleinen Kindern betroffen. 40 Prozent der Befragten mit Kindern unter 3 Jahren berichteten im bundesweiten Schnitt von Schließungen. Auch bei den Eltern von Drei- bis Sechsjähri-
gen waren es 39 Prozent. Mit Reduktionen der Öffnungszeiten waren 49 Prozent mit Kindern unter drei und
51 Prozent bei Eltern von Drei- bis Sechsjährigen konfrontiert. Bei Eltern älterer Kinder lagen diese Werte nie-
driger.
Um die Betreuungslücke auszugleichen,
sprang in den meisten Fällen ein Elternteil ein. In Partnerschaften waren dabei Mütter noch deutlich stärker eingespannt als Väter. So gaben 73 Prozent der betroffenen Männer, die in heterosexuellen Partnerschaften leben, an, ihre Partnerin sei eingesprungen. Unter den Frauen sagten das 39 Prozent über ihren Partner.
Die Arbeitszeit im Erwerbsjob reduziert
Insgesamt 30 Prozent der von Kürzungen oder Schließungen betroffenen Eltern gaben an, als Reaktion auf Ausfälle kurzfristig ihre Arbeitszeit im Erwerbsjob reduziert zu haben. Unter den Männern reduzierten 33 Prozent die Erwerbsarbeitszeit, unter den Frauen 26 Prozent. Die Forschenden des WSI vermuten, dass das auch daran lag, dass Frauen häufiger nicht Vollzeit arbeiten. Auch Verwandte und/oder Freunde spielen eine wichtige Rolle, um akute Betreuungskonflikte zu entschärfen: 42 Prozent der betroffenen Eltern berichteten,
auf ihr privates Umfeld zurückgegriffen zu haben.
Informationen zur Befragung
Für die Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung werden Erwerbstätige und Arbeitsuchende
von infratest dimap online zu ihrer Lebenssituation befragt. Die Befragten bilden die Erwerbspersonen in Deutschland im Hinblick auf die Merkmale Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland repräsentativ ab.
Quelle: Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS)
ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Begabtenförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Sie ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Düsseldorf.
>>> zum Artikel:
„54% der erwerbstätigen Eltern mit Schließungen oder verkürzten Zeiten bei Kinderbetreuung konfrontiert“
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an dem Artikel liegen ausschließlich bei Prof. Dr. Bettina Kohlrausch sowie bei
der Hans-Böckler-Stiftung.
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