Der Druck auf die junge Generation steigt. Als Reaktion wenden sie sich den politischen Rändern zu oder denken sogar daran, Deutschland zu verlassen.
Auszug aus der Pressemitteilung:
Der Druck auf die junge Generation steigt und die Chancen, diesen gerecht zu werden, schwinden. Dauer-krisen, unsichere berufliche Perspektiven, Schulden und mentaler Stress prägen die Lebenslage vieler jun-
ger Menschen. Als Reaktion wenden sie sich d politischen Rändern zu oder denken sogar daran, Deutsch-
land zu verlassen. Das ist die zentrale Botschaft der neunten Trendstudie „Jugend in Deutschland“.
Psychische Belastung erreicht neuen Höchststand
Die Studie wirft einen konkreten Blick auf aktuelle Lebensrealitäten junger Menschen. Insgesamt wird deut-
lich, dass der seit Jahren anhaltende Krisenmodus, geprägt von Krieg, Inflation, steigenden Wohnkosten und neuerdings auch von US-Präsident Trump, immer mehr junge Menschen überfordert.
„Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“ – Simon Schnetzer, Studienleiter
Der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, erreicht mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. Noch höher ist dieser Wert bei jungen Frauen (34%), Studierenden (32%) und Erwerbs-
losen (42%). Auffällig ist zudem, dass 60 Prozent d jungen Menschen eine suchtähnliche Smartphonenutzung aufweisen und viele b persönlichen Problemen zunehmend auf KI-gestützte Beratungsangebote zurückgreifen.
Leistungsbereit – aber ohne klare Perspektive
Trotz der schwierigen Lage bleibt die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die große Mehrheit ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wachsen jedoch Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt.
Gerade in der Arbeitswelt zeigen sich bemerkenswerte Verschiebungen: Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherhei-ten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als noch zuvor. Dies führt auch dazu, dass d berufliche Ausbildung gegenüber einem Studium deut-
lich an Attraktivität gewinnt. Viele junge Menschen setzen stärker auf praxisnahe Qualifikationen und sichere Berufsperspektiven, weil die Sorge vor Arbeitslosigkeit zunimmt.
Währenddessen bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. Der Anteil junger Menschen, die Schulden ha-ben, erreicht mit 23 Prozent einen neuen Höchststand. Junge Menschen wünschen sich neben finanzieller Bil-dung insbesondere stabile Zukunftsperspektiven, um sich langfristig abzusichern. Das Thema Wohnen ver-schärft diese Entwicklung: Teure Mieten und knapper Wohnraum erschweren die Lebenssituation für viele jun-ge Menschen.
Die Folgen sind enorm:
„Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“ – Autor Kilian Hampel, Universität Konstanz
Noch deutlicher fällt der langfristige Trend aus: 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, uszuwandern. „Die Studie unterstreicht, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven f Arbeit, Wohnen und finan-zielle Sicherheit benötigen“, so Hampel
Politische Polarisierung nimmt zu
Parallel zur wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit verschärft sich die politische Polarisierung unter jungen Menschen. Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu den politischen Rändern. Die Linke ist derzeit die beliebteste Partei unter jungen Menschen (Sonntagsfrage: 25%), besonders unter jungen Frauen. Gleichzeitig gewinnt die AfD vor allem bei jungen Männern an Zustimmung.
Damit öffnet sich eine immer stärkere politische Kluft zwischen den Geschlechtern. Junge Frauen orientieren sich zunehmend an linken politischen Positionen, während junge Männer überdurchschnittlich häufig Parteien am rechten Rand unterstützen.
„Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusam-
men, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann“
– Nina Kolleck, Studienautorin Universität Potsdam.
Forderung nach stärkerer Beteiligung der jungen Generation
Für den Jugendforscher Klaus Hurrelmann, Hertie School Berlin, zeigt die Studie vor allem eines: Die junge Ge-neration fühlt sich in gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu wenig beteiligt. Um das Vertrauen der jungen Gene-ration zurückzugewinnen, plädiert er für neue Formen der gesellschaftlichen und politischen Beteiligung in Form von Generationendialogen zu allen kritischen Fragen, die in der Studie von den jungen Menschen aufe-
rufen werden. Das Ziel müsse sein, der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben, und damit die Leistungsbereitschaft zu stärken, die viele von ihnen weiterhin deutlich artikulieren.
Quelle: Die neunte Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck“
basiert auf einer repräsentativen Befragung von 2.012 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren. Die
Längsschnittstudie wurde 2010 gegründet und wird seit dem Jahr 2020 in regelmäßigem Abstand wiederholt. Dialogische Validierung der Studienergebnisse erfolgt durch Schul- und Zukunftswork-
shops sowie durch Fachkommentare von Expert:innen.
Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Si-
mon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof.
Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studien-
verkauf.
>>> zur vollständigen Pressemitteilung: „Jugendstudie 2026: Zwischen Leistungsbereitschaft und Abwanderung – Deutschlands Jugend verliert die Geduld“. (PDF | externer Inhalt)
>>> zur Studie: „Jugend in Deutschland 2026“ (externer Inhalt)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Pressemeldung liegt ausschließlich bei Simon Schnetzer.
Alle Rechte an der Studie liegen bei dem Autorenteam: Simon Schnetzer (Studienleitung) | Dr. Kilian Hampel | Prof. Dr. Nina Kolleck | und bei Senior Expert Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann.
ErgänzendeArtikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Jugendstudie zu Einsamkeit
>>> Depressionen bei Kindern und Jugendlichen
>>> Lebenslagen von Jugendlichen
>>> Jugendstudie: Was nicht glücklich macht, kann weg
>>> Auf der Suche. Jugendliche zwischen Selbstfindung, Schule und Zukunft
>>> SINUS-Jugendstudie 2024: „Wie ticken Jugendliche?“
>>> Kinder- und Jugendhilfereport 2024
>>> VoiceUp!-Studie 2025: Junge Menschen fordern Mitsprache und Mitbestimmung
