Instabilität im System der frühen Bildung - Symbolbild einer Berliner Erzieherin
Symbolbild einer Großstadt-Erzieherin - © Nano Banana pro

Instabilität im System der frühen Bildung

Das System der frühen Bildung steht durch inhaltliche Anforderun-
gen, den Personalmangel und die Fachkräftesicherung unter Druck

Auszug aus der Pressemitteiling der Ständigen Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz:

Die SWK hat sich für die Stellungnahme „Gesunde Fachkräfte, gute Bildung: Personal und Qualität in der frühen Bildung sichern“ die Situation im frühkindlichen Bildungs- und Betreuungssystem mit besonderem Fokus auf die Fachkräfte und ihre Gesundheit angesehen. In d Stellungnahme werden auf Basis des empirischen Forschungs-
stands individuelle, organisationale und systemische Einflussfaktoren auf d (psychische) Gesundheit von Fach-
kräften in der frühen Bildung und Betreuung, und auf ihre Arbeitszufriedenheit und ihren Verbleib im Beruf ana-
lysiert und die Konsequenzen auf die Bildungsqualität und kindliche Entwicklung in den Blick genommen.

Das System der frühen Bildung und Betreuung

steht nicht nur durch den Personalmangel der letzten Jahre unter Druck, sondern auch durch Herausforderun-
gen der Fachkräftesicherung. Frühpädagogische Fachkräfte sind mit vielfältigen Belastungsfaktoren konfron-
tiert wie einer hohen Interaktionsdichte, Zeitdruck und Lärm sowie eine Erweiterung des Aufgabenspektrums.

Zwar deutet sich durch sinkende Geburtenzahlen eine leichte Entspannung bei der Personaldecke an, dennoch bleibt das System durch hohe Fluktuation und Krankenstände betroffen, was die Verlässlichkeit der Betreuung wie die Qualität gefährden kann: Gerade junge Kinder leiden unter wechselnden Bezugspersonen und emotional erschöpfte Fachkräfte können im Mittel weniger Bildungsangebote anbieten. Deshalb empfiehlt die SWK eine Perspektiverweiterung:

„Wir sehen im Bereich der frühen Bildung überdurchschnittlich hohe Krankenstände und eine hohe Personalfluktuation. Wir empfehlen deshalb ein Umdenken auch für die Kinder-
tageseinrichtungen. Gesundheitsförderung sollte auf allen Ebenen integriert und mitge-
dacht werden. Wir sehen im derzeitigen demographischen Wandel eine Chance zur Steige-
rung der Qualität in der frühen Bildung und mit Strategien zur Gesundheitsförderung lang-
fristig einen Beitrag zur Fachkräfte- und Qualitätssicherung leisten.“
Olaf Köller, Co-Vorsitzender der SWK

Das Fundament für gute frühe Bildung

Die Gesundheit und Motivation der pädagogischen Fachkräfte sind das Fundament für gute frühe Bildung. Wenn sie gestärkt werden, profitieren nicht nur die Fachkräfte selbst – sondern auch d Kinder, Familien und letztlich die gesamte Gesellschaft.“, betont Prof. Dr. Yvonne Anders, Mitglied der SWK und Professorin für frühkindliche Bildung und Erziehung an der Universität Bamberg. „Das Thema muss systemisch angegan-
gen werden: es geht nicht nur um den Personalschlüssel, sondern auch um eine Integration von Gesund-heitsförderung in Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Nutzung von Digitalisierung als Chance, ein Umdenken
der organisationalen Strukturen und eine systematische Integration effektiver Präventions- und Interventi-
onsansätze. Es geht um nachhaltige Bildungsqualität für die Kinder, die mit gesunden Fachkräften beginnt“,
so Anders weiter.

Gesundheit und Zufriedenheit von Fachkräften positiv beeinflussen

Die Kommission empfiehlt auf allen Ebenen (systemisch, organisational und individuell) Maßnahmen, die
die Gesundheit und Zufriedenheit von Fachkräften positiv beeinflussen. Einige Empfehlungen zur Gesund-heitsförderung lassen sich kurzfristig umsetzen: Die Kommission empfiehlt, die rechtlichen und finanziel-
len Rahmenbedingungen anzupassen, um die sich aktuell verändernde Fachkräftesituation zur Entwick-
lung von Strategien zur Gesundheitsförderung und Qualitätsentwicklung nutzen zu können und die Vor-
teile und Entwicklungspotenziale des Berufsbilds durch Maßnahmen wie eine Positiv-Kampagne zu stär-
ken. Einige Empfehlungen zielen auf längerfristige Veränderungen, wie die Verankerung von Strategien
zum Umgang mit Arbeitsanforderungen in der Ausbildung und die Schaffung weiterer attraktiver Karrier-
ewege jenseits der klassischen Gruppenerzieher:in und Kitaleitung.

Die Empfehlungen der SWK im Überblick

Die Gesundheit der Fachkräfte in der frühen Bildung auf systemischer, organisationaler und individueller
Ebene zu fördern.

Dies umfasst:

  • auf der systemischen Ebene der Ministerien, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für die Gesundheitsförderung des pädagogischen Personals zu schaffen.
  • auf der organisationalen Ebene der einzelnen Kindertageseinrichtungen und ihrer Träger, Handlungs-spielräume vor Ort zur Gesundheitsförderung des pädagogischen Personals auszuschöpfen.
  • auf der individuellen Ebene aller pädagogischen Fachkräfte, Gesundheitsförderung, Selbst- und Emo-
    tionsregulation als professionelle Aufgabe zu begreifen.
  • Systematische Fort- und Weiterbildung für solche Handlungsfelder, die Überforderung auslösen
  • Ebenen übergreifend, Digitalisierung als Ressource nutzbar zu machen.
  • Hierfür können auf der strukturellen Ebene auch d sich aktuell abzeichnende Entspannung der Fach-
    kräftesituation zur Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung genutzt werden.

Quelle: Die Ständige Wissenschaftliche Kommission
Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgre-
mium der Kultusministerkonferenz. Ihr gehören 16 Bildungsforscher:innen aus unterschiedlichen Diszipli-
nen an. Die SWK berät die Länder bei der Weiterentwicklung des Bildungswesens. Sie identifiziert beste-
hende Probleme und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für deren Lösung.
Die Beratung erfolgt auf Basis der zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz.
Grundlage der Empfehlungen bilden Erkenntnisse des Bildungsmonitorings, der Bildungsberichterstattung
und der Forschung. Dabei nimmt die Kommission eine interdisziplinäre, längerfristige und systemische
Perspektive entlang der Bildungsbiografie ein.

>>> zur Pressemitteilung: „Gesunde Fachkräfte, gute Bildung“ (externer Inhalt)
>>> zur Stellungnahme:
„Gesunde Fachkräfte, gute Bildung: Personal und Qualität in der frühen Bildung sichern“ (PDF, extern)

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Pressemitteilung als auch an deren Auszug liegen ausschließlich bei der Ständigen Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK), Bonn.

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