Minderjähri-gen nutzen KI-Anwendungen gegen ihre Einsamkeit
Symbolbild - © KI generiert

DAK-Suchtstudie: Fast acht Prozent der Minderjährigen nutzen KI-Anwendungen gegen ihre Einsamkeit

Gefährlicher Trend: Neben Gaming, Social Media und Streaming erhöhen auch KI-Chatbots den riskanten Medienkonsum bei Kin-
dern und Jugendlichen in Deutschland.

Auszüge aus der Pressemeldung vom 24. März 2026:

Fast acht Prozent der Minderjährigen nutzen KI-Anwendungen gegen ihre Einsamkeit. Bei Jugendlichen mit depressiver Symptomatik liegt der Anteil über 30 Prozent. Das zeigen aktuelle Ergebnisse einer gemeinsa-
men Längsschnittuntersuchung von DAK-Gesundheit und Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).  

Jedes vierte Kind zeigt eine riskante Social-Media-Nutzung oder Abhängigkeit

Die Studie analysiert erstmals auch die Nutzung und Risiken von KI-Chatbots für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Insgesamt bleibt die Mediensucht auf einem hohen Niveau: Jedes vierte Kind zeigt eine riskan-
te Social-Media-Nutzung o Abhängigkeit. Insgesamt sind hochgerechnet ca.1,5 Mio junge Menschen betroffen.

„Die anhaltend hohe Mediensucht zeigt den großen Handlungsbedarf. Für eine sinnvolle Altersregulierung braucht es jetzt eine rasche gesetzliche Regelung bis zur Sommerpau-
se. Damit erste Maßnahmen dann bereits im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln. Der wachsende Trend der Chatbot-
Nutzung zeigt, dass wir es mit einer neuen Qualität digitaler Medien zu tun haben. Um-
so wichtiger ist eine frühzeitige Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule.“
Andreas Storm, DAK-Vorstandschef

Riskante Bindung: Wenn der Chatbot zum engsten Freund wird

Die aktuelle Studie zeigt die Relevanz von KI-Chatbots für Kinder und Jugendliche: Mehr als jeder oder jede Vierte nutzt KI-Anwendungen wie ChatGPT mehrmals pro Woche. Ab dem Alter von 15 Jahren verwenden sie mehr als die Hälfte mindestens wöchentlich.

Besonders auffällig: Bis zu etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen wenden sich an Chatbots, um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen. Schaut man auf junge Menschen, die bereits eine depressive Symptomatik aufweisen, steigen die Zahlen deutlich an. Fast 33 Prozent von ihnen geben in der Studie an, einem Chatbot Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freundinnen und Freunden anvertrauen würden. Ebenfalls 33 % sind der Meinung, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich parasoziale Beziehungsmus-
ter entwickeln.

KI-Chatbots fördern intensive Nutzungsmuster

„Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Risiken für Kinder und Jugendliche – etwa im Rahmen der Verarbeitung privater Daten, der Inhaltsauswahl oder bestimmter Handlungsempfehlungen“, sagt Dr. Kerstin Paschke, Studienleiterin und ärztliche Leiterin d Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am UKE. „Durch die Imitation menschlicher Kommunikation und die häufig bestä-tigenden Reaktionen, sollen intensive Nutzungsmuster gefördert werden. Hierdurch können junge Menschen
im Rahmen einer sogenannten parasozialen Beziehung eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln, die mit größeren psychischen Belastungen einhergeht und problematische Nutzungsmuster begünstigen kann.
Aus Sicht d Kinder- und Jugendschutzes braucht es daher stärkere Regulierung, unabhängige Aufsicht und eine altersgerechte Gestaltung dieser Systeme.“

Über 40 Prozent vertrauen KI-Chatbots oft oder sehr oft

Dass KI-Chatbots im digitalen Alltag junger Menschen längst keine Nebenrolle mehr spielen, zeigen auch wei-
teren Zahlen aus der Studie: Mehr als 2/3 der Kinder und Jugendlichen vertraut den Aussagen des Chatbots mindestens manchmal. Über 40 Prozent vertrauen ihm oft oder sehr oft. Dabei sind Hilfe bei Hausaufgaben
und Informationsbeschaffung die zentralen Nutzungsmotive. Über die Hälfte der Kinder nutzt die KI hingegen einfach aus Neugierde und zum Spaß.

Mediensucht weiterhin auf hohem Niveau

In Deutschland haben weiterhin Millionen Kinder und Jugendliche Probleme durch einen hohen Medienkon-
sum: Hochgerechnet nutzen 1,5 Millionen junge Menschen soziale Medien problematisch. Das heißt, sie sind von einer Sucht bedroht oder bereits betroffen. In der Erhebungswelle 2025 nutzten 21,5 Prozent der 10- bis
17-Jährigen Social Media riskant. Dies entspricht 1,1 Millionen Kindern. Im Vorjahr waren es 21,1 Prozent. Da-
mit bleiben die Zahlen konstant hoch. Einen Anstieg gibt es bei der pathologischen Nutzung: 2025 galten 6,6 Prozent der 10- bis 17-Jährigen als süchtig bzw. abhängig. Damit gibt es hochgerechnet rund 350.000 Kinder und Jugendliche mit einer pathologischen Nutzung. Dies entspricht einem Anstieg um 1,9 Prozent zum Vorjahr.

Quelle: DAK Gesundheit
Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Weitere Infos auf  www.dak.de/mediensucht.

>>> zur vollständigen Pressemeldung:
„DAK-Suchtstudie untersucht Jugendtrend: KI-Chatbots erhöhen riskanten Medienkonsum“ (PDF | extern)
>>> zur visualisierten Ergebnispräsentation (PDF | extern)
>>> zum Ergebnisbericht (PDF | extern)
>>> Forsa: „Nutzung digitaler Medien von 10- bis 17-Jährigen“ (PDF | extern)

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Pressemeldung
liegen ausschließlich bei der DAK Gesundheit
Alle Rechte an der Studie liegen ausschließlich bei der DAK Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> DAK-Studie zu Mediensucht: Millionen Kinder weisen riskante Nutzung auf
>>> DAK-Offensive „Mediensucht“
>>> 4 Stunden tägliche Bildschirmzeit am Smartphone
>>> Die Hälfte der Jugendlichen will soziale Medien weniger nutzen, schafft es aber nicht
>>> Jedes fünfte Kleinkind besitzt ein eigenes Tablet
>>> „Social Media gehört nicht in die Hände von Kindern und jungen Heranwachsenden!“
>>> „My AI“ – Der neue Freund im Kinderzimmer
>>> Jugendstudie zu Einsamkeit
>>> Jugendliche versuchen mit Chat GPT eine Psychotherapie zu ersetzen

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