Die soziale Herkunft beeinflusst, wie sehr sich Kinder anstrengen - Schulkinder sind unterscheidlich motovierrt
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Die soziale Herkunft beeinflusst, wie sehr sich Kinder anstrengen

Kinder aus Familien mit höherem sozialen Status strengen sich zwar mehr an als Kinder aus weniger privilegierten Familien – vor allem wenn es keine Belohnungen gibt.

Auszüge aus dem Artikel vom Februar 2026:

Das Projekt „Effort and Social Inequality“ (Anstrengung und soziale Ungleichheit)

Jonas Radl, Gastforschungsprofessor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), hat mit einem Team von internationalen Forscher*innen seit 2018 am WZB untersucht, wie sich die soziale Herkunft auf die Anstrengungsbereitschaft von Schulkindern auswirkt. Sein interdisziplinäres Projekt „Effort and Social Inequality“, das von WZB-Direktorin Heike Solga begleitet wurde, erweitert das Wissen über Bildungskarrieren um einen entscheidenden Aspekt.

Während es viele Erkenntnisse darüber gibt, wie stark der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die Fähigkei-ten junger Menschen ist, wurde eine Frage bislang wenig untersucht. Wie groß der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Anstrengungsbereitschaft ist. Arbeiten privilegierte Kinder härter – und tun sie dies, weil sie mehr Un-terstützung erfahren? Und wie könnten auch Schüler*innen motiviert werden, die nicht aus Akademikerfami-
lien stammen?

Schulkinder aus privilegierten Elternhäusern

zeigen mehr kognitive Anstrengung als jene aus benachteiligten Verhältnissen, besonders wenn keine Beloh-
nung angeboten wird und es allein um die intrinsische Motivation geht. Die Lücke zwischen beiden Gruppen
ist jedoch nicht sehr groß, und sie kann durch Anreize wettgemacht werden. Sobald es kleine Belohnungen
wie Spielzeuge oder soziale Anerkennung für d Lösung einer Aufgabe gibt, arbeiten Kinder aus sozial schwä-cheren Elternhäusern fast genauso engagiert wie privilegierte Kinder.

Persönlichkeitseigenschaften oder die Intelligenz der Kinder

Persönlichkeitseigenschaften oder die Intelligenz d Kinder können den Unterschied in der Anstrengung nicht erklären. Die Befunde zeigen vielmehr, dass das Anstrengungsverhalten entscheidend von der sozialen Um-
gebung beeinflusst wird. Lebensumstände spielen eine wichtige Rolle, etwa welche Ressourcen es in den Fa-milien gibt und wie viel Sicherheit die Kinder erleben. Wenn Kinder mit Mängeln aufwachsen, z. B. mit fehlen-
den finanziellen Mitteln oder weil ihre Eltern wenig Zeit im Alltag für sie haben, fällt es ihnen schwerer, sich
auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren.

Bildungschancen könnten gerechter gemacht werden, wenn …

Die Ergebnisse haben auch eine politische Dimension. Bildungschancen könnten gerechter gemacht werden, wenn nicht nur Leistung, sondern auch individuelle Fortschritte im Klassenraum prämiert würden, so Jonas Radl. „Schulische Belohnungen, spielerisches Lernen und soziale Anerkennung können helfen, Unterschiede
im Anstrengungsniveau zwischen Kindern aus unterschiedlichen sozialen Schichten zu verringern“, sagt der Forscher. Heike Solga, Mitautorin des Artikels und Direktorin der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt am WZB: „Die Studie liefert wichtige Hinweise, wie der Einfluss der sozialen Herkunft in der Schule besser ausge-
glichen werden kann. Das ist wichtig für ein faireres Bildungssystem und gleiche Chancen.“

Das Studiendesign

In der experimentellen Studie lösten 1.360 Fünftklässler*innen aus Madrid und Berlin einfache kognitive Auf-
gaben, mit denen Konzentration, Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle gemessen werden konnten. 60 Klassen aus 32 Schulen waren beteiligt. Die simplen, aber anstrengenden Aufgaben wurden in verschiedenen Situatio-
nen bearbeitet. Einmal ohne Belohnungen f richtige Antworten, dann mit kleinen Geschenken und schließlich
im Wettbewerb mit zusätzlicher symbolischer Anerkennung.

Quelle: Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
untersucht grundlegende gesellschaftliche Fragen. Erforscht werden Entwicklungstendenzen, Anpas-sungsprobleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften. Die Forschung ist theoriegeleitet, praxisbezogen, oft langfristig angelegt und meist international vergleichend.

>>> zum Artikel: „Die soziale Herkunft prägt, wie sehr Kinder sich anstrengen“ (externer Inhalt)

Die Studie wurde im Februar im Journal American Sociological Review veröffentlicht: Jonas Radl, William Foley, Lea Katharina Kröger, Patricia Lorente, Alberto Palacios-Abad, Heike Solga, Jan Stuhler, Madeline Swarr (2026): „The Social Origins of Effort: How Incentives Reduce Socioeconomic Disparities among Children“.
In: American Sociological Review.

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte
an dem Artikel liegen ausschließlich bei Jonas Radl WZB-Gastforschungsprofessor „Effort and Social Inequality“ sowie bei dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
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