Traditioneller Geschlechterrollenbilder haben in den sozialen Medien zugenommen. Folgen junge Frauen in Deutschland dem Trend der „Tradwives“?
Auszug aus dem Artikel vom 22.10.2025:
Rollenbilder haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Traditionelle Einstellungen, die Frauen und Männern klar voneinander abgegrenzte Rollen zuschreiben, haben stark an Bedeutung verloren. Egalitäre Rollenbilder, die Gleichstellung in Partnerschaft, Erwerbs- und Sorgearbeit betonen, sind hingegen heute am weitesten verbreitet.
Einstellungen der Tradwives sind in der Minderheit
In den letzten Jahren ist die Verbreitung traditioneller Geschlechterrollenbilder in den sozialen Medien ver-
stärkt zu beobachten, sodass diese in der öffentlichen Wahrnehmung an Präsenz gewinnen. Die sogenann-
ten „Tradwives – traditional wives“ bezeichnen einen vergleichsweise neuen reichweitenstarken Trend, bei
dem Influencerinnen traditionelle Geschlechterrollen idealisieren. Zudem betonen sie die zentrale Bedeu-
tung von Weiblichkeit, Mutterschaft sowie Haus- und Fürsorgearbeit für Frauen.
Wie stark beeinflusst dieser Trend die Einstellungen zu Geschlechterrollen von jungen Frauen in Deutschland?
Dazu fragt der Beitrag auf der Basis v Daten des BiB-Surveys „FReDA – das familiendemografische Panel“,
in welchem Umfang in dieser social-media-affinen Generation Einstellungen zu finden sind, die dem on-
line verbreiteten Bild der „Tradwives“ entsprechen. Die Auswertungen zeigen, dass von den untersuchten
20- bis 30-jährigen Frauen 19 Prozent Einstellungen vertreten, d jenen der „Tradwives“ ähneln. Sie sehen
unter anderem die Mutterschaft als zentrale Lebensaufgabe einer Frau an und unterstützen eine traditio-
nelle Arbeitsteilung in der Partnerschaft.
Egalitäre Rollenbilder sind vorherrschend
Die Mehrheit bildet mit 62 Prozent die Gruppe der als egalitär eingruppierten Frauen. Knapp ein Fünftel
der Frauen teilt darüber hinaus „vereinbarkeitsorientierte“ Rollenbilder (19 %). Sie befürworten grundsätz-
lich die Gleichstellung der Geschlechter, zum Beispiel am Arbeitsmarkt, stehen einer Vollzeiterwerbstätig-
keit von Eltern jedoch kritisch gegenüber. Somit stellen die Tradwives die kleinste Gruppe unter den be-trachteten jungen Frauen dar. Rollenbilder, die gleichstellungsbezogene Grundsätze betonen, sind hinge-
gen am weitesten verbreitet. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass trotz der Präsenz traditioneller Narrative
in sozialen Medien die Rollenbilder junger Frauen in Deutschland überwiegend von egalitären Konzepten
geprägt sind.
Quelle: Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
untersucht die Ursachen und Folgen des demografischen Wandels und hat die Aufgabe, die Bundesre-
gierung und Bundesministerien auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung zu beraten. Dazu ge-
hört auch die Unterstützung der Bundesregierung bei der internationalen Zusammenarbeit in Bevölke-
rungsfragen im Rahmen der Vereinten Nationen. Die Information der Öffentlichkeit über den demogra-
fischen Wandel und die Forschungsergebnisse ist eine weitere wichtige Aufgabe.
>>> zum Artikel: „Tradwives – mehr Hype als Realität?“ (externer Inhalt)
>>> zur BiB ANALYSE: „Überzeugungen junger Frauen zur weiblichen Rolle“ (PDF, externer Inhalt)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an dem Artikel liegen ausschließlich bei dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Ergänzende Artikel und Informationen (externe Inhalte)
>>> Universität Regensburg ScienceBlog: „Tradwives und Strongmen“
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