Magersucht ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate - junges Mädchen hat keinen Appetit
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Magersucht ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate

Magersucht bedeutet nicht einfach nur „dünn sein“. Hinter den äu-
ßeren Symptomen schlank und schön sein zu wollen, verbergen sich andere, tieferliegende Ursachen.

Auszug aus dem Artikel:

Magersucht ist eine schwerwiegende und immer häufiger auftretende psychische Erkrankung

2022 wurden in deutschen Krankenhäusern etwa 9.800 Magersüchtige diagnostiziert – ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Dabei ist nicht nur bei einer Gewichtsabnahme die Rede von einer Essstörung, sondern auch dann, wenn die für einen gesunden Entwicklungsverlauf nötige Gewichtszunahme b Kindern und Jugendlichen ausbleibt.

Diese schwere psychische Erkrankung geht in etwa zehn Prozent der Fälle tödlich aus

Was viele ebenfalls nicht wissen und was den wenigsten Betroffenen klar ist: Diese schwere psychische Erkran-
kung geht in etwa zehn Prozent der Fälle tödlich aus, da viele Betroffene entweder an den Folgen ihrer radikalen Unterernährung sterben oder Suizid begehen. „Expert:innen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, berichtet
die Ergotherapeutin Schelewsky und schätzt, dass diese nicht erkannten, nicht behandelten und nicht gemelde-
ten Fälle langsam weniger werden: „Auch, weil Stigmatisierung psychischer Erkrankungen allmählich nachlässt“

Magersucht: vor allem in der Pubertät und am häufigsten bei Mädchen

Meist sind Jugendliche betroffen. „Die Erstmanifestation, also das erste Auftreten der Störung bei vormals ge-
sunden Patienten, zeigt sich üblicherweise zwischen 15 und 19 Jahren“, erklärt die Ergotherapeutin. In dieser Lebens- und Selbstfindungsphase vergleichen sich die meisten Jugendlichen mit Gleichaltrigen. Das ist bis zu einem gewissen Grad „normal“. Allerdings können Prägung und Faktoren wie (fehlende) Resilienz zusammen mit äußeren Einflüssen wie etwa den westlichen Schönheitsidealen, um nicht zu sagen Schlankheitswahn, dazu führen, dass eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper entsteht.

Jugendliche wollen Idealen und Normen entsprechen

Gerade bei Mädchen ist die Veränderung naturgemäß oft sehr deutlich sichtbar – ihr Körper nimmt in der Pu-
bertät Rundungen an, die nicht zu diesen Idealen passen. Jugendliche wollen jedoch Idealen und Normen ent-
sprechen und so kann es durch das Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren dazu kommen, dass sie sich als zu dick wahrnehmen. Sie befinden sich in „bester“ Gesellschaft: laut einer Umfrage findet sich ein Fünf-
tel aller Jugendlichen zu dick. Eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper muss nicht zwangsläufig zur Krank-
heitsentstehung beitragen. Das Thema „Magersucht“ sollten Eltern in dieser Zeit besonders gut im Blick haben, insbesondere, wenn bereits im Kindesalter ein abweichendes Essverhalten oder Essstörungen erkennbar waren.

Essstörungen sind auch bei Kindern zu beobachten

Aus Essstörungen im Kindesalter kann im späteren Alter eine Magersucht entstehen. Stellen Eltern also fest, dass ihr Kind oder Baby zu wenig isst oder andere Auffälligkeiten beim Essen entwickelt, ist der Gang zu Kin-
derarzt oder -ärztin ratsam. Diese sollten feinfühlig schauen und ohne das Kind zu verunsichern abklären, was hinter dem Essverhalten steckt. Denn es kann auch körperliche Gründe, sprich eine Erkrankung, geben. Generell gilt: je früher Störungen oder Erkrankungen erkannt werden, desto besser sind die Prognosen.

Handelt es sich tatsächlich um eine Essstörung und nicht um eine andere Erkrankung, sind Ergotherapeuten eine sehr gute Anlaufstelle: Sie arbeiten viel mit Kindern mit unterschiedlichen (Verhaltens-)Störungen und ihre Interventionen sind immer von einem sehr spielerischen Charakter geprägt – also absolut kindgerecht, was die Motivation der Kinder in die Therapie zu gehen und mitzumachen deutlich erhöht.

Beratung für Eltern und Kinder mit Magersucht

Es ist kaum vorstellbar, welches Leid Eltern durchleben, wenn sie zusehen müssen, wie sich ihr Kind allmählich das Leben weghungert. Sie fühlen sich meist hilf- und machtlos. Das sind sie jedoch nicht. Es ist allerdings un-
ausweichlich, dass Außenstehende – also d Eltern selbst, Angehörige oder Freunde – aktiv werden. „Das Krank-heitsbild lässt unbehandelt nur schwer eine Krankheitseinsicht zu – es kann schlimmer oder chronisch werden“, fordert die Ergotherapeutin Eltern und andere Außenstehende auf, etwas zu unternehmen – am besten so früh als möglich. Doch wie kann das gehen, wenn Jugendliche gar nicht erkennen oder verstehen, dass sie Hilfe brauchen?

Die Ergotherapeutin empfiehlt:
„Schlagen Sie einfühlsam aber bestimmt vor, Termine zu initiieren und bieten Sie an, mitzukommen“. Außer der Anlaufstelle Arzt und Ärztin gibt es Beratungsstellen für Essstörungen, die wiederum sehr
gut vernetzt sind und weitere Tipps und Ratschläge für das weitere Vorgehen anbieten. Auch sind Selbsthilfegruppen jederzeit eine sinnvolle Möglichkeit der Unterstützung für Menschen mit Mager-
sucht und gegebenenfalls ihre Angehörigen. Weitere, wegweisende Informationen stellt das Bundes-
institut für öffentliche Gesundheit, BIÖG,
zur Verfügung. Schelewsky rät Eltern zudem, sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt um einen Psychotherapieplatz zu kümmern, da es lange Wartelisten gibt.

Ergotherapeuten überbrücken Wartezeit

Bis die Therapie in einer Klinik beginnt, können Ergotherapeuten die Zeit mit entsprechenden Interventionen überbrücken. In der Klinik gehören Ergotherapeuten zunehmend zu den interdisziplinären Teams, die sich um Patienten mit Magersucht kümmern. Um mit diesen arbeiten zu können, sorgen Ergotherapeuten als Erstes dafür, dass eine Vertrauensbasis entsteht und sich die Betroffenen anfangen zu öffnen. Oft sind die Jungen
und Mädchen mit Magersucht eher verschlossen, denken, Ärzt:innen und Therapeut:innen seien gegen sie.
Sie trauen sich häufig nicht – in der Annahme sowieso nicht verstanden zu werden – etwas zu sagen. Ergo-
therapeuten wissen, dass dies Teil des Krankheitsbildes ist und wenden in solchen Situationen beispielsweise ausdruckszentrierte Methoden an.

Ergotherapeuten stärken Kind und Eltern-Kind-Beziehung

Ebenso wirkungsvoll sind sogenannte expositionsbasierte Techniken, bei denen die Jugendlichen mit Mager-
sucht stufenweise mit ihren Ängsten sowohl was die Ernährung als auch das Körperbild angeht, konfrontiert
werden. Hierzu zählen unter anderem Einkaufs- und Kochtrainings und die Ergotherapeutin erläutert ein wei-
teres Beispiel: „Betroffene dürfen auf ein körpergroßes Papier ihre Körperumrisse zeichnen, so wie sie sie ein-
schätzen. Anschließend legen sie sich auf diese Zeichnung und der oder die Ergotherapeuten zeichnet den Umriss des echten Körpers nach“. Mithilfe solcher und weiterer Verfahren wird den Betroffenen deutlich und bewusst, wie verzerrt ihre Wahrnehmung des eigenen Körpers ist. Eine wichtige Voraussetzung, um die Krank-
heitseinsicht zu steigern und die Therapiemotivation positiv zu beeinflussen.

Krankheitsaufklärung

Flankierend spielt auch das Thema „Edukation“, also Krankheitsaufklärung, eine wichtige Rolle. Den Menschen mit Magersucht kann durch das sachliche Näherbringen ihrer Störung allmählich klarwerden, i welche (Lebens-) Gefahr sie sich begeben. Die Angehörigen erfahren, wie wichtig und erfolgsunterstützend es ist, Essen und Ess-
verhalten nicht ständig zu thematisieren oder zu kommentieren, sondern die Mahlzeiten entspannter zu gestal-
ten. Darüber hinaus lernen sie, besser zwischen der Krankheit und dem, was den betroffenen Menschen aus-
macht, zu differenzieren. Diese maßgeblichen Erkenntnisse tragen auch dazu bei, die Eltern-Kind-Beziehung zu stärken, die durch die Magersucht einer hohen Belastung ausgesetzt ist.

Quelle: Der Deutsche Verband Ergotherapie
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>>> zum Artikel: „Magersucht: psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate“ (externer Inhalt)

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