Kindeswohlgefährdung: Zahl der Inobhutnahmen gestiegen - Junge hält sich an seinem teddy fest
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Kindeswohlgefährdung: Zahl der Inobhutnahmen gestiegen

Wenn das familiäre Zuhause kein sicherer Ort mehr ist, greift der Staat ein. Insgesamt 69.477 Kinder und Jugendliche wurden im Jahr 2024 in Deutschland zu ihrem Schutz vorübergehend durch die Jugendämter in Obhut genommen.

Auszug aus der Pressemitteilung:

Neben unbegleiteten Einreisen Minderjähriger war ein großer Teil der Inobhutnahmen auf belastende familiäre Situationen zurückzuführen. Laut dem aktuell veröffentlichten Bericht des Statistischen Bundesamtes waren die häufigsten Anlässe im Jahr 2024:

  • Überforderung der Eltern / eines Elternteils: 17.478 Fälle
  • Vernachlässigung: 8.481 Fälle
  • Anzeichen für körperliche Misshandlung: 7.375 Fälle
  • Anzeichen für psychische Misshandlung: 5.549 Fälle
  • Anzeichen für sexuelle Gewalt: 1.234 Fälle
  • Unbegleitete Einreise aus dem Ausland: 30.786 Fälle

Mehr Minderjährige als im Vorjahr (+10 %) suchten aus eigenem Antrieb Hilfe beim Jugendamt.

Diese Zahlen – und die Tatsache, dass lediglich knapp ein Viertel (24 %) der Minderjährigen im Anschluss an die Inobhutnahme an d vorherigen Aufenthaltsort zurückkehrte – unterstreichen die anhaltende Notwendig-
keit, gefährdeten Kindern nicht nur Schutz, sondern auch verlässliche, kindgerechte Betreuungsformen zu bie-
ten. Familienanaloge Strukturen, wie sie in Kinderdorffamilien geboten werden, spielen hierbei eine entschei-
dende Rolle.

Mehrheit der Deutschen vertraut gemeinnützigen Organisationen

Eine aktuelle, repräsentative GfK-Umfrage im Auftrag der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke zeigt: Die Mehrheit der Deutschen vertraut gemeinnützigen Organisationen der Jugendhilfe und Wohlfahrts-
verbänden mehr als d Staat und kirchlichen Einrichtungen, wenn es um Kinderschutz und Familienhilfe geht.

Kinderdorffamilien als bevorzugte Unterbringungsform

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Umfrage betrifft die Einschätzung zur geeigneten Unterbringung von Kin-
dern, die beispielsweise aufgrund von Gewalt oder Vernachlässigung aus ihrem familiären Umfeld genommen werden müssen. Eine Mehrheit von 38,1 Prozent der Befragten hält die familienanaloge Betreuung in Kinder-
dorffamilien mit festen Hauseltern für die beste Möglichkeit, um Kindern ein stabiles und kindgerechtes Um-
feld zu bieten. Diese Form der Betreuung wird damit deutlich häufiger als geeignet bewertet als die Unterbrin-gung in stationären Wohngruppen (12,9 Prozent) oder bei Pflegefamilien (30 Prozent).

Die Stimme aus der Praxis

„Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes machen erneut deutlich, wie hoch der Bedarf
an stabilen Schutz- und Betreuungsstrukturen für Kinder in Not ist. Unsere Kinderdorffa-
milien geben diesen Kindern nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern vor allem Sicher-
heit, Verbindlichkeit und verlässliche Bezugspersonen. Das ist es, was langfristig hilft, trau-
matische Erfahrungen zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.“

Dr. Albrecht Matthaei, Geschäftsführer des BV der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer

Die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke
„Die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke bieten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
in zehn Bundesländern und mehr als 500 Einrichtungen individuelle Hilfen und sichere Orte. Mit unseren Angeboten wollen wir Kinder und ihre Eltern stärken. Wir begleiten, beraten und unterstützen und geben Kindern ein Zuhause.“

>>> zur Pressemitteilung:
„Kinderschutz in Deutschland: Zahl der Inobhutnahmen wegen Kindeswohlgefährdung gestiegen“
>>> Statistisches Bundesamt: „Inobhutnahmen durch Jugendämter im Jahr 2024“ (externer Inhalt)

Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an dem Artikel liegen ausschließlich bei dem Bundesverband der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke e.V.; Berlin.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Jugendämter nahmen 2020 rund 45. 400 Kinder in Obhut
>>> 207.000 junge Menschen wuchsen 2022 in einem Heim oder in einer Pflegefamilie auf
>>> Kindernotdienst in Berlin: Kinder, die keiner will
>>> Kindeswohlgefährdungen bleiben auf hohem Niveau
>>> Einzigartiges Projekt, das Bildung und Therapie verzahnt
>>> Mehr als zehn Prozent unserer Kinder wachsen mit Misshandlung auf

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