Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen - ein typischer Instagram-Post
Symbolbild - KI-generiert

Babys und Kleinkinder auf kommerziell genutzten Social-Media-Profilen

Die vorliegende Studie untersucht die Darstellung von Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren in monetarisierten deutschsprachigen Family-Influencer-Profilen auf den Plattformen Instagram, TikTok und Youtube.

Auszüge aus dem Vorwort der Studie:

Untersucht wurden insgesamt

359 Profile von 201 Family-Influencerinnen auf den drei Plattformen. Über die Hälfte nutzt zwei bis drei Plattfor-
men parallel; diese Mehrfachpräsenz korreliert mit höheren Gesamtreichweiten. Das Sample hat insgesamt ei-
ne Reichweite von 100 Mio. Followerinnen. Für die Analyse der Darstellung von Kindern wurden 10.095 Beiträge mit insgesamt 156.362 Einzelszenen berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigen,

dass Kinder im Family Influencing häufig präsent, aber selten durchgehend zentral sind. Insgesamt sind Kinder in 44 Prozent aller Beiträge dargestellt. Auf Youtube finden sich im Verhältnis die meisten Kinderdarstellungen im Sample, auf TikTok d wenigsten. Mehr als zwei Drittel der Influencerinnen nutzen Maßnahmen zur Unkennt-
lichmachung (z. B. Kamerawinkel, Overlays, Verpixelung). Dennoch sind Kinder in etwa einem Drittel der Beiträ-
ge identifizierbar, insbesondere bei reichweitenstarken Accounts, wobei 0- bis 2-jährige Kinder überrepräsen-
tiert sind.

Gedanken über den Schutz der Privatsphäre des Kindes

Die Ergebnisse der qualitativen Analyse lassen zudem deutliche Unterschiede hinsichtlich der Ausrichtung der einzelnen Accounts erkennen. In einigen Fällen wird deutlich, dass sich die Influencerinnen frühzeitig Gedanken über den Schutz der Privatsphäre des Kindes gemacht und Wege gefunden haben, dennoch ihre Influencerprak-
tiken auszuüben.

Andere Family Influencerinnen teilen offen Details aus ihrem Familienleben inklusive von Darstellungen ihrer Kin
der, ohne deren Gesichter zu kaschieren. Unterschiede zeichnen sich auch hinsichtlich d Anzahl und dem Alter der Kinder ab. Ältere Kinder agieren teilweise aktiv vor und mit der Kamera.

Erhebliche rechtliche und ethische Fragen

Die Darstellung von Kindern in monetarisierten Social-Media-Profilen wirft erhebliche rechtliche und ethische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf das Datenschutzrecht, das Persönlichkeitsrecht und die familiale und persönliche Privatsphäre der Kinder. Die kommerzielle Nutzung kindlicher Präsenz und Lebenswelten kann mit deren Schutzbedürfnissen kollidieren und die elterliche Fürsorgepflicht aufgrund widerstreitender wirtschaftli-
cher Interessen an strukturelle Grenzen geraten.

Kinder werden zum Mitteln wirtschaftlicher Zwecke

Die Ergebnisse sowohl der quantitativen als auch der qualitativen Analyse zeigen, d Kinder häufig als Authenti-
zitätsnachweis, Interaktionsaspekt und Community-Verstärker fungieren. Aus kinderethischer Perspektive ist dies problematisch, weil Kinder zu Mitteln wirtschaftlicher Zwecke werden, ohne selbst über diese (Aus-)Nut-zung entscheiden zu können. Die Folge ist weniger eine punktuelle Verletzung der kindlichen Würde, sondern die potenziell nachhaltige und strukturelle Beeinträchtigung der persönlichen Integrität des Kindes und seines Rechts auf eine offene Zukunft.

Konkrete Handlungsoptionen für Gesetzgeber und Politik

Vor dem Hintergrund der empirischen Daten und des rechtlichen und medienethischen Rahmens entwickelt die Studie konkrete Handlungsoptionen für Gesetzgeber und Politik, Aufsichtsbehörden und Jugendhilfe, Plattform-
betreiber, die Werbewirtschaft sowie die Eltern und Influencern selbst.

Wenngleich den quantitativen und qualitativen Daten zufolge das Gros d Family-Influencerinnen darauf zu ach
ten scheint, dass ihre Kinder nicht im Kontext werblicher Posts gezeigt werden und auch nicht erkennbar sind, finden sich Anhaltspunkte, dass es manchen Influencerinnen nicht gelingt, d Spannungsfeld zwischen kommer-
ziellen Interessen bzw. Social-Media-Praktiken und elterlicher Fürsorge aufzulösen, bzw. sie sich nicht bewusst sind, dass ihr Account einen monetarisierten Rahmen darstellt, in dem andere Regeln für d Darstellung von Kin
dern gelten als beispielsweise beim „Sharenting“ durch Privatpersonen.

Hier gilt es, entsprechende Sensibilisierungsmaßnahmen und entsprechende Informations- und Unterstützungs-
angebote zu entwickeln, die einer unbedachten Darstellung von Kindern vorbeugen. Daneben sollten Möglich-
keiten für eine verbesserte Rechtsaufsicht oder weniger invasive u bürokratische Verfahren für Eltern, die sich rechtstreu verhalten möchten, diskutiert werden.

Quelle: Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
erforscht den Medienwandel und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen öffentlicher Kommunikation. Medienübergreifend, interdisziplinär und unabhängig verbindet es Grundlagenwis-
senschaft und Transferforschung und schafft so problemrelevantes Wissen f Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

>>> zur Studie:
„Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen“ (PDF, extern)

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Family-Influencing
>>> Wie „Kidfluencer“ in Sozialen Medien ausgebeutet werden
>>> #KindersindkeinContent

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