Alltag am Limit: Macht Alleinerziehen krank? . Alleinerziehende Mutter mit Kind im Supermarkt
Symbolbild - © KI generiert

Alltag am Limit: Macht Alleinerziehen krank?

Kindererziehung, Haushalt, Existenzsicherung: Alleinerziehende müssen diesen alltäglichen Berg an Aufgaben allein stemmen
und das bringt sie zunehmend ans Limit.

Auszug aus der Pressemeldung vom 18.03.2026:

Die Belastungen haben in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen

Laut einer KKH-Umfrage unter rund 1.000 Eltern verursacht diese Last der alleinigen Verantwortung bei Al-
lein-erziehenden den mit Abstand größten psychischen Druck: Die Mehrheit der Befragten in dieser Gruppe
(61 Prozent) fühlt sich dadurch stark belastet – im Gegensatz zu 31 Prozent der zusammenlebenden Eltern. Auch die finanzielle Situation, etwa die Sorge um das Einkommen oder die Angst vor einem sozialen Abstieg bereiten Alleinerziehenden deutlich mehr Sorgen als Paarfamilien (53 zu 36 Prozent). Insgesamt fühlen sich knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden durch ihren Alltag und ihr Berufsleben häufig gestresst (64 Prozent). Bei Paarfamilien sind es etwas weniger als die Hälfte (47 Prozent). Für alle befragten Eltern gilt allerdings na-
hezu gleichermaßen: Die Belastungen haben in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen. Das ge-
ben 57 Prozent der Alleinerziehenden und 53 Prozent der Elternpaare an.

Scham und Angst vor sozialem Abstieg

„Die Umfrageergebnisse sind ein eindeutiges Warnsignal“, betont Dr. Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH. „Dauerhafter Stress und Druck kann unsere Gesundheit stark beeinträch-
tigen, da er häufig ein anhaltendes Gefühl der Hilflosigkeit, Überforderung oder gar Verzweiflung hinterlässt. Das wiederum kann zu chronischer Erschöpfung, Depressionen und Angststörungen führen.“ Ein-Eltern-Fami-lien sind besonders gefährdet, da sie aufgrund der alleinigen Verantwortung und der finanziellen Sorgen ei-
nem besonders hohen Druck ausgesetzt sind. Gleichzeitig schämen sich viele Betroffene für ihre prekäre Si-
tuation und für die Tatsache, alles allein stemmen zu müssen.

Vor allem Frauen sind gefährdet

Sie tragen nach wie vor die Hauptlast, denn laut Umfrage sind neun von zehn alleinerziehenden Elternteilen Mütter (87 Prozent). Für sie ist das Armutsrisiko besonders hoch, da sie häufig die gesamte Erwerbs- und Erziehungsarbeit allein tragen müssen, in der Folge oftmals in Teilzeitjobs arbeiten und somit ein geringeres Einkommen zur Verfügung haben. Hinzu können strukturelle Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt und ausbleibende Unterhaltszahlungen kommen. Und das geht an die Substanz:

Allein erziehen, allein gelassen?

Ein großer Risikofaktor für die Gesundheit ist darüber hinaus der fehlende soziale Rückhalt. Auch hier zeigt
die Umfrage deutliche Unterschiede zwischen Ein- und Zwei-Eltern-Familien: 34 Prozent der Alleinerziehen-
den fühlen sich aufgrund fehlender sozialer Netzwerke u mangelnder Unterstützung stark belastet (versus
24 Prozent der Elternpaare), bei 28 Prozent der Alleinerziehenden ist es das Gefühl des Alleingelassen-Seins und der sozialen Isolation (versus 18 Prozent der Paare).

Häufiger müde und ausgebrannt

Laut Umfrage machen sich Stress und Druck bei Alleinerziehenden vor allem psychisch deutlich stärker be-
merkbar: Fast Dreiviertel von ihnen (73 Prozent) berichten über Müdigkeit und Schlafstörungen als Folge
von Druck und Stress – im Gegensatz zu 58 Prozent der Paarfamilien. Zwei Drittel der alleinerziehenden
Mütter und Väter fühlen sich darüber hinaus erschöpft und ausgebrannt (66 Prozent), und 43 Prozent lei-
den bei Stress unter depressiven Verstimmungen. Bei Paarfamilien sind es gut die Hälfte (54 Prozent) be-ziehungsweise 35 Prozent. Alleinerziehende leiden zudem häufiger unter psychischen Beschwerden: Jede/r vierte Befragte in dieser Gruppe gibt an, dass beispielsweise Antriebslosigkeit und starke Emotionalität
einmal pro Woche und häufiger auftreten – im Gegensatz zu jedem achten Elternpaar.

Die Arbeit, die vor allem Alleinerziehende leisten, wird von der Gesellschaft immer
noch unterschätzt

Um bestehende Tabus zu brechen, sei es wichtig, dass Mütter und Väter offen über ihre Sorgen, Ängste und Nöte, sprich ihre Überlastung sprechen könnten. Vor allem aber müsse sich politisch etwas bewegen, um Alleinerziehende besser zu unterstützen, etwa in Form von niedrigschwelligen Beratungsangeboten, einer flexiblen, bezahlbaren Kinderbetreuung und Angeboten zur Regeneration und sozialen Teilhabe.

Quelle: Die KKH
hat eine repräsentative Online-Befragung über das Online Access Panel Bilendi unter 1.005 gesetzlich und privat versicherten Eltern ab 18 Jahren i Auftrag gegeben, darunter 800 gemeinsam erziehende Eltern, 175 Alleinerziehende und 30 Getrennterziehende. Befragt wurde bundesweit im Februar 2026. Als alleinerzie-
hend gilt ein Elternteil, wenn dieser mit mindestens einem minderjährigen Kind und ohne eine weitere er-
wachsene verantwortliche Person in einem Haushalt lebt und die Hauptverantwortung für Betreuung und Erziehung des Nachwuchses trägt.

>>> zur Pressemeldung: Alltag am Limit: Macht Alleinerziehen krank? (externer Inhalt)
>>> zum Angebot der KKH für alleinerziehende Mütter und Väter

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an dem Artikel liegen ausschließlich bei der KKH Kaufmännischen Krankenkasse.

Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Alleinerziehende in Deutschland
>>> Viele Alleinerziehende sind trotz Arbeit auf Sozialleistungen angewiesen
>>> Die Kinder alleinerziehender Väter haben den geringsten Bildungserfolg
>>> Alleinerziehende weiter unter Druck
>>> Jede fünfte Familie allein- oder getrennterziehend

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