Kinderärztinnen und Kinderärzte sehen darin ein „ernstes gesund-
heitliches Problem“. Sie bewerten den Zusammenhang zwischen Adipositas und sozialer Ungleichheit als „alarmierend“.
Auszüge aus der DAK-Pressemeldung:
Insgesamt bleibt die Zahl stark übergewichtiger Kinder in Deutschland auf einem hohen Niveau. So wurden 2023 bundesweit hochgerechnet rund 470.000 Mädchen und Jungen mit einer Adipositas-Diagnose in Arzt-
praxen und Krankenhäusern versorgt. Das entspricht 4,6 Prozent aller Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren in Deutschland. DAK-Chef Andreas Storm fordert mehr Präventionsangebote an Schulen.
„Die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die mit Adipositas in Behandlung sind, gibt uns
Anlass z Sorge. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Adipositas ist bedenklich.
Wir brauchen passgenaue Präventionsangebote i unseren Schulen, die Gesundheitskompetenz
und Ernährungsbewusstsein vermitteln.“ DAK-Vorstandschef Andreas Storm.
Soziale Ungleichheit
Im Kontext von Adipositas gibt es innerhalb der Gesellschaft große Unterschiede: Der DAK-Kinder- und Jugend-
report macht deutlich, dass Kinder aus sozial schwachen Familien rund 36 Prozent häufiger in einer Adipositas-Behandlung sind als Kinder aus hohen Schichten. So waren 2023 5,5 Prozent der Kinder aus ärmeren Familien mit der Diagnose Adipositas in Arztpraxen u Krankenhäusern. Bei Kindern aus höheren sozialen Schichten wa-
ren es vier Prozent. Der Trend ist bei Mädchen markanter: 3,8 Prozent der sozial besser gestellten Mädchen lei-
den an Adipositas, bei ärmeren Mädchen sind es 5,7 Prozent. Das entspricht einem Plus von rund 39 Prozent.
„Der starke Zusammenhang zwischen Adipositas und sozialer Ungleichheit ist besonders alarmie-
rend. Für uns als Gesellschaft bedeutet das, dass wir dringend in gesundheitsfördernde Maßnah-
men investieren müssen, d alle Kinder erreichen – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Als Kin-
der- u Jugendarzt appelliere ich daher an alle Akteure – von Eltern und Schulen bis hin zur Politik – sich dieser wichtigen Aufgabe mit Nachdruck zu widmen.“
Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen
Krankheitshäufigkeit
Die DAK-Studie zeigt, dass die Krankheitshäufigkeit von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen weiter stark ausgeprägt ist. 2023 wurden bundesweit hochgerechnet rund 470.000 Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Adipositas-Diagnose in Arztpraxen und Krankenhäusern behandelt. Die Forscher von Vandage und der Universität Bielefeld prognostizieren einen langfristigen Versorgungsbedarf.
Adipositas: ein Überblick
Zu den häufigen körperlichen Beschwerden von Adipositas-Patientinnen und -Patienten gehören mangelnde Ausdauer und schnelle Ermüdung bei Belastung, meist verbunden mit starkem Schwitzen. Adipöse Menschen leiden häufiger unter chronischen Rückenschmerzen. Die Gelenke – vor allem Hüften, Knie und Füße – sind überlastet. Viele Bewegungsabläufe sind dadurch zunächst unangenehm und dann schmerzhaft. Ein Teufels-
kreis aus weniger Bewegung und durch die fehlende Bewegung zunehmende Beschwerden entsteht. Hinzu
kommt ein deutlich erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Typ-2-Dia-
betes, Schlafapnoe, Arthritis und Depressionen.
Für diese aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports
untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Ab-
rechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der
DAK-Gesundheit versichert sind. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne 5 bis 17 Jahre. Unter-
sucht wurde das Zeitfenster von 2018 bis 2023 mit jährlich über sieben Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen.
>>> zur Pressemeldung: „Adipositas: Kinder aus ärmeren Familien deutlich häufiger betroffen“ (extern)
>>> zur DAK-Sonderanalyse: „ADIPOSITAS BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN“ (PDF, extern)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an den Auszügen der Pressemeldung als auch an der Sonderanalyse liegen ausschließlich bei der DAK-Gesundheit Krankenkasse, Hamburg.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
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