Gewichtsdiskriminierung betrifft alle Altersgruppen. Besonders brisant sind jedoch die Folgen für Kinder und Jugendlichen auf-
grund ihres allzu hohen Körpergewichtes.
Auszüge aus der Pressemitteilung:
Gewichtsdiskriminierung in der pädiatrischen Adipositastherapie –
ein unterschätzter Einflussfaktor
Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt Lucie Schröder von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie hat die Ergebnisse einer qualitativ mehrperspektivischen Erhebung zusammengestellt, in der ein ambulantes Reha-Programm in 4 Reha-Zentren für Kinder mit diagnostizierter Adipositas ausgewertet wurde.
Stigmatisierende Therapieempfehlungen und diskriminierende Äußerungen durch das sie betreuende Fachpersonal.
Dabei klagten die betroffenen Kinder und Jugendlichen insbesondere über stigmatisierende Therapieempfeh-lungen und diskriminierende Äußerungen durch das sie betreuende Fachpersonal. Eine Studienteilnehmerin schildert ein Erlebnis in der Praxis so: „Und dann sagt die Kinderärztin, du musst mehr abnehmen, geh doch mehr spazieren. Und das regt mich dann immer auf, weil sie das dann jedes Mal sagt u dann will ich da nicht mehr hin.“ Auf diese Weise verlieren Kinder und Jugendliche häufig das Vertrauen in ärztliche Hinweise, wech-seln Praxen oder meiden ärztlichen Kontakt sogar ganz.
Mit zum Teil fatalen Konsequenzen, die eine weitere Studienteilnehmerin zieht, die die Vorhaltungen ihres Pä-diaters beklagt: „Weil du einfach zu dick bist, belastet das dein Knie.“ Dabei ist die Fehlstellung des Knies die entscheidende Ursache für ihre Probleme. Deshalb, so sagt die betroffene Jugendliche, „gehe ich nicht mehr gern dahin. Immer wenn ich krank bin oder Schmerzen habe, nehme ich einfach Ibuprofen und lasse es über mich ergehen.“
Kinder und Jugendliche lehnen das Wort „Adipositastherapie“ ab
Bezogen auf die Reha, war es laut Studienautorin Lucie Schröder zudem erstaunlich, wie einzelne Reha-Ziele unterschiedlich formuliert wurden. Während das interviewte Fachpersonal bezogen auf das Gewicht zumeist das Ziel „Gewicht halten“ bei der Reha verfolgte, drückten die Kinder u Jugendlichen viel häufiger den Wunsch aus, mit dem Reha-Programm „abzunehmen.“
Weiterhin erwies sich die Sprache im therapeutischen Setting als überraschend wichtiger und zugleich limi-
tierender Faktor. So diskutierten die Kinder und Jugendlichen zum Teil rege über einzelne Begriffe, lehnten
z.B. das Wort „Adipositastherapie“ ab und befürworteten stattdessen „Ernährungsschulung“, „Sozialkompe-tenztraining“ oder „Fitnesstraining“.
Gewichtsdiskriminierung wirkt sich auf viele Aspekte einer Adipositas-Behandlung aus
Im Ergebnis stellte Lucie Schröder fest, dass sich Gewichtsdiskriminierung auf überraschend viele Aspekte einer Adipositas-Behandlung auswirkt: auf die Gründe für und die Ziele innerhalb der Therapie, auf die Art
und Weise der ausgesprochenen Therapieempfehlungen d das Gesundheitspersonal und auf die Sprache.
Deshalb sollte künftig in jedem Fall Gewichtsdiskriminierung so weit wie möglich vermieden werden, bekräf-
tigt DGSPJ-Präsident Dr. Andreas Oberle. Dies erfordere allerdings dann auch, Stigmatisierungen zu vermei-
den. Gesundheitsfachkräfte sollten dabei insbesondere auf gewichtsdiskriminierende Faktoren wie zu vor-schnelle Be- und Verurteilungen, eine unpassende Wortwahl oder unrealistische Reha-Ziele achten. Oberle:
„Da sollten wir Kinder- und Jugendärzte Vorbild sein.“
Gewichtsdiskriminierung ist ein weit stärkerer limitierender Faktor als bislang vermutet.
Diesen Appell unterstützt auch Lucie Schröder. Doch vieles, so kritisiert sie, sei derzeit noch unerforscht. Zu-
künftige Forschung in der Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen sollte daher genau hier ansetzen. Denn Gewichtsdiskriminierung ist ein weit stärkerer limitierender Faktor bei der Behandlung und Betreuung von immer mehr übergewichtigen Kindern und Jugendlichen als bislang vermutet.
Quelle: Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
ist eine wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaft, die sich der Lehre und der Erforschung, insbesondere der Versorgungsforschung, in den Themenbereichen der Sozialpädiatrie und der Jugendmedizin widmet (Quelle: Wikipedia)
>>> zur Pressemitteilung: „Folgen der Gewichtsdiskriminierung bei Kindern werden massiv unterschätzt“ (externer Inhalt)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an der Pressemitteilung liegen ausschließlich bei der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, Berlin.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
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