Eine jährliche Befragung der Landesanstalt für Medien NRW zeigt: Kinder sehen Pornos und der Kontakt erfolgt immer früher und mit intensiveren Auswirkungen.
Auszug aus dem Artikel:
Immer mehr Jugendliche schauen Pornos
Pornografie ist grundsätzlich erstmal kein Fall für die Medienaufsicht, solange sie nur für Erwachsene zugäng-lich ist. Allerdings hat auch beinahe die Hälfte (47 %) der 11- bis 17-Jährigen in Deutschland schon Pornos ge-
sehen. Das zeigen die Ergebnisse d aktuellen Studie „Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Pornos und Sexting“ der Landesanstalt für Medien NRW.
Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) ist unter 14 Jahren
Der Anteil der Minderjährigen, die pornografische Inhalte wahrnehmen, ist damit in den letzten zwei Jahren um über ein Drittel gestiegen – 2023 waren es noch 35 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) ist unter 14 Jahren, wenn sie ihren ersten Porno sehen. Dabei bestätigt die Studie, was schon zu erwarten war. Die rich-
tige Einordnung der explizit sexuellen Inhalte gelingt Kindern nicht, und in vielen Fällen beeinflusst das auch die Entwicklung ihrer eigenen Sexualität.
Pornos dienen Kindern als Orientierung für das eigene Verhalten
Der Anteil derer, die Pornos als informativ oder lehrreich empfinden, ist seit 2023 von 8 Prozent auf 13 Prozent gestiegen. Wesentlich mehr als zur eigenen Aufklärung nutzen Minderjährige Pornos als Orientierung für ihre eigene Sexualität. Mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen (36 %) gibt an, die in Pornos gezeigten Inhal-
te selbst im echten Leben ausprobieren zu wollen. Bei den befragten Jungen liegt dieser Wert mit 43 Prozent wesentlich höher als bei den befragten Mädchen (27 %).
„Jugendmedienschutz ist keine Frage der Moral und deshalb können Erwachsene Pornografie
finden, wie auch immer sie wollen. Jugendmedienschutz hat die Aufgabe, die Schwächsten un-
serer Gesellschaft – Kinder – vor Inhalten zu schützen, die sie nicht einordnen können und die
sie verunsichern und verstören. Vor dem Hintergrund der erschreckenden Ergebnisse der Studie
bei Kindern ab elf Jahren muss dem rücksichtslosen Vorgehen der großen Pornoplattformen, die
einfachste Schutzmechanismen nicht umsetzen, i aller Entschlossenheit Einhalt geboten werden.
Wir werden auch gemeinsam mit der EU-Kommission alles daransetzen, dem Gesetz Geltung zu verschaffen“,
Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.
Sexting nimmt zu – Mädchen erhalten ungefragt sexuelle Inhalte
Gleichzeitig mit dem Pornokonsum steigt auch das gegenseitige Versenden von sexuellen Inhalten – Sex-
ting – unter Kindern und Jugendlichen. 10 % der 11- bis 17-Jährigen geben an, bereits selbst Sexting-Nach-
richten versendet zu haben (2023 waren es 6 %). Gleichzeitig geben im Jahr 2025 31 Prozent aller Befrag-
ten an, bereits Sexting-Nachrichten erhalten zu haben.
Mädchen sind von dieser Art sexueller Belästigung öfter betroffen als Jungen
Dabei fällt besonders auf, dass 83 Prozent der Befragten, die Nachrichten mit sexuellen Inhalten erhalten
haben, solche Inhalte auch ungefragt zugesendet bekommen haben. Mädchen sind v dieser Art sexueller Belästigung öfter betroffen als Jungen. Außerdem gibt ein Viertel derjenigen, die bereits gesextet haben,
an, dass sie sich beim Sexting zu Dingen haben überreden lassen, die sie eigentlich gar nicht tun wollten.
Die ungewollte Kontaktanbahnung mit sexuellen Inhalten über das Internet ist eine Form der sexuellen Be-
lästigung. Wer ohne Zustimmung sexuelle Inhalte zugesendet bekommt, kann dies bei der Landesanstalt
für Medien NRW melden:https://www.medienanstalt-nrw.de/beschwerde.
Quelle: Die Landesanstalt für Medien NRW
ist die staatsferne Aufsichtsinstitution für privaten Rundfunk und Telemedien in Nordrhein-Westfalen.
Ihr gesetzlicher Auftrag ist nach dem Medienstaatsvertrag und dem Landesmediengesetz geregelt. Die
Arbeit der Landesanstalt für Medien NRW wird aus einem Anteil des in NRW erhobenen Rundfunkbei-
trags finanziert. Dies soll ihre Unabhängigkeit, Staatsferne und ihr Wirken für einen unabhängigen Rund-
funk sichern. (Wikipedia)
>>> zum Artikel: „Kinder sehen Pornos“ (externer Inhalt)
>>> zur Studie: „Erfahrungen von Kindern und Jgendlichen mit Pornos und Sexting“ (PDF, extern)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte an dem Auszug des Artikels liegen ausschließlich der Landesanstalt für Medien NRW.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Erfahrungen mit Pornografie und Sexting-Verhalten von Minderjährigen (2023)
>>> Pornografie-Konsum und Neigung zu sexueller Gewalt bei Jugendlichen
>>> 2021 hat die Verbreitung von Kinderpornografie stark zugenommen
>>> Was Kinder und Jugendliche über Pornos denken
>>> Für die pädagogische Praxis: „Let’s talk about Porno“
>>> Wenn kinderpornografische Inhalte im Klassenchat auftauchen
