„Virtueller Autismus“ ist kein offiziell anerkannter medizinischer Begriff, sondern eher ein populärwissenschaftlicher oder medien-
geprägter Ausdruck.
Auszug aus dem Artikel:
Der Ausdruck „Virtueller Autismus“ wird häufig verwendet, um bestimmte Verhaltensweisen bei Kindern oder Jugendlichen zu beschreiben, die sehr viel Zeit in virtuellen Welten verbringen, etwa vor Smartphones, Tablets, Computern oder beim Gaming.
Diese Verknüpfung erzeugt im negativen Fall den Eindruck, Autismus würde durch das Erziehungsverhalten der Eltern entstehen. Dies ist ein inhaltlicher Rückschritt auf Debatten und Erziehungsmythen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts (Siehe hierzu auch den Kommentar von Kristin Snippe).
Dennoch wirkt sich übermäßiger Medienkonsum auf die (früh-)kindliche Entwicklung aus
Typische Beschreibungen in Artikeln oder Diskussionen sind z.B.:
- Stark eingeschränkte soziale Interaktion im realen Leben.
- Wenig Blickkontakt oder verbale Kommunikation.
- Intensives Interesse an digitalen Inhalten oder Computerspielen, oft auf Kosten realer Aktivitäten.
- Schwierigkeiten, auf reale soziale Reize zu reagieren.
Virtueller Autismus ist keine offizielle Diagnose wie Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Es handelt sich eher um eine Beobachtung von autismusähnlichen Verhaltensweisen, die durch exzessive Nutzung digitaler Medien ausgelöst oder verstärkt werden könnten.
Grundsätzlich ist ein erhöhter Medienkonsum im Vorschulalter mit Defiziten im Bereich der Sprache und Kognition verknüpft und stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung von emotionalen, Verhaltens- sowie Entwicklungsstörungen dar.
Zu beachten sind hier allerdings noch weitere Risikofaktoren für die psychische Gesundheit wie: sozioö-
konomischer Status, psychische Störungen in der Familie oder elterlicher Stress.
Eine Reduktion des Medienkonsums und eine gleichzeitige Erhöhung konstruktiver Interaktionen zwischen Eltern und ihren Kindern verminderte in Interventionsstudien die Symptomatik (Vgl. Kamp-Becker & Poustka 2025)
Ergänzende Artikel und Informationen
>>> Manfred Spitzer – Babys und Bildschirme: Realer oder virtueller Autismus?
>>> Eine Elternbroschüre aus Österreich
>>> In Deutschland hat sich hierzu ein Netzwerk gegründet.
Quelle: Der Bundesverband autismus Deutschland e.V.
vertritt als Selbsthilfeverband die Interessen von Menschen mit Autismus und ihrer Angehörigen. Er be-
treibt umfassende Aufklärung über das Autismus-Spektrum und die vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse, veranstaltet Kongresse und Fachtagungen u gibt Bücher sowie Broschüren heraus. Außer-
dem fördert er Maßnahmen, die eine wirksame Hilfe für Menschen mit Autismus bedeuten.
>>> zum Artikel: „Virtueller Autismus“ (Synonym: „Pseudo-Autismus“) (externer Inhalt)
Urheberrechtshinweis
Alle Rechte am dem Verlagstext liegen ausschließlich beim Bundesverband autismus Deutschland e.V., Hamburg.
Ergänzende Artikel und Informationen (alle Artikel intern auf kindheit-heute.info)
>>> Autismus bei Mädchen
>>> DAK-Studie zu Mediensucht: Millionen Kinder weisen riskante Nutzung auf
>>> Erste Ergebnisse der miniKIM-Studie 2023 über die Mediennutzung von Kleinkindern vorgestellt
>>> Untersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger
>>> Jedes fünfte Kleinkind besitzt ein eigenes Tablet
>>> Jedes zweite Kind zwischen vier und sechs Jahren verbringt zu viel Zeit vor dem Bildschirm
